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Fitnesswahn – Muskulös aber krank
Keine
Frage, Muskelaufbau ist grundsätzlich eine gute Sache. Die Muskulatur
unterstützt das Skelett und schützt so vor Gelenkbeschwerden, Rückenschmerzen
und Knochenabbau. Außerdem werden in der Muskulatur die ungeliebten Fettdepots
verzehrt – sogar im Schlaf, da sie ständig Energie verbrauchen. Mehr Muskulatur
bedeutet also einen höheren Grundumsatz von Kalorien. Muskelaufbau um jeden
Preis und mit jedem Mittel – das kann allerdings die Gesundheit gefährden.
Fitness-Studio oder „Mucki-Bude“ – der feine Unterschied
In Deutschland gibt es rund 6.500 Fitness-Studios mit fast fünf Millionen
Mitgliedern. Grundsätzlich sind diese Studios sinnvoll, zum Beispiel als
Ergänzung in Winter- und Schlechtwetterperioden, um das Training im Freien
unabhängig vom Wetter fortzusetzen. Der Trend geht mittlerweile weg vom reinen
Krafttraining in der „Mucki-Bude“ hin zu umfassendem Gesundheitstraining in
einem guten Fitness-Studio. Zunehmend verstehen sich solche Einrichtungen als
Gesundheits-Studios, in denen zusätzliche Kurse angeboten werden von Pilates
über Nordic Walking bis zu Yoga. Als I-Tüpfelchen des Rundum-Gesundheitspaketes
kann man in manchen Instituten sein Immunsystem noch in der hauseigenen Sauna
stärken. Problematisch sind allerdings solche Einrichtungen, deren Hauptgewicht
auf dem reinen Krafttraining liegt. Experten gehen davon aus, dass etwa 200 bis
300 Studios in die Kategorie der so genannten Hardcore-Studios fallen. Hier
lässt sich eine Verbindung zur extremen Bodybuilding-Szene herstellen,
Doping-Mittel sind nicht selten unter der Theke zu erhalten. Solche Studios
können meist auch keine Zertifizierung - zum Beispiel durch den TÜV oder den VDF
(Verband deutscher Fitness und Freizeitunternehmen e. V.) - aufweisen.
Doping – gefährliche Ungeduld
Wenn Gesundheit nur das Sekundärmotiv ist, um regelmäßig in einem Studio zu
trainieren, ist das Durchhaltevermögen der Mehrzahl relativ gering. Die
Aussteiger-Rate liegt bei etwa 70 Prozent nach sechs Monaten. Für diejenigen,
deren Ziel vor allem Muskelaufbau und Körperformungswünsche sind, kann es häufig
aber nicht schnell genug gehen. Viele Studios sind laut Experten in der Regel
keine allzu kritischen Begleiter. Als kommerzielle Einrichtungen profitieren sie
von den scheinbar schnellen und vorzeigbaren Erfolgen ihrer Mitglieder.
Angeboten werden häufig Eiweißprodukte für Muskelaufbau und höhere
Leistungsfähigkeit. Nicht selten ist dieser Bereich der Theke ein separates
Profitcenter, sodass die Besucher keine eigenen Getränke mitbringen dürfen. Die
diversen Eiweiß- und Vitamindrinks sowie Nahrungsergänzungsmittel können schon
ein erster Einstieg in Richtung Doping sein. So können z.B. Energie-Riegel, die
man im Internet beziehen kann, undeklarierte Steroide enthalten.
Dopingrisiken wie bei den Profis
Laut Gesundheitsberichterstattung 2006 des Robert-Koch-Institutes (RKI) werden
auch von Freizeitsportlern zum Doping meist
anabole Steroide
(künstliche männliche Hormone) eingesetzt, die – ohne ärztliche Kontrolle –
erhebliche gesundheitliche Schäden hervorrufen können. Zwar wachsen die Muskeln
wie gewünscht zusehends. Aber auch die Psyche verändert sich. Gesundes
Schmerzempfinden geht verloren und unsinnig hartes Training wird möglich - was
zu Fehlbelastungen des Bewegungsapparates und orthopädischen Schäden führt.
Weitere gesundheitliche Risiken von Anabolika sind:
Leberfunktionsstörungen, Leberkrebs
Appetitzunahme
Eingeschränkte Fruchtbarkeit oder Unfruchtbarkeit
Menstruationsstörungen und Vermännlichung bei Frauen
Schrumpfung der Hoden bei Männern
Wachsen
des Brustmuskels bei Männern
Beendigung des Längenwachstums bei Jugendlichen.
Als
Stimulanzien zur Erhöhung der Leistungs- und Risikobereitschaft werden
Amphetamine, Kokain, Ephedrin oder Koffein eingesetzt. Sie sind bei
Ausdauersportarten wie Laufen oder Radrennen beliebt und wirken auf
unterschiedliche Weise auf das zentrale Nervensystem. Dabei erhöhen sie die
motorischen Aktivitäten, unterdrücken Müdigkeit und Schmerz und unterbinden
somit das natürliche Gefühl der Leistungsgrenze. Außerdem kann es unter anderem
zu Herzrhythmusstörungen, Schlaganfällen, Nierenversagen und Angstzuständen
kommen.
Was sind die Bezugsquellen?
In Zeiten des World Wide Web ist es offenbar kein Problem, diese Substanzen zu
beziehen. Und die üppigen Sicherstellungen von Dopingmitteln durch Polizei und
Zoll lassen auch auf einen florierenden Schwarzmarkthandel für Dopingsubstanzen
schließen – vielfach auch Medikamente, die per Rezeptdiebstahl beschafft werden.
Oftmals sind es aber auch Präparate aus dem Ausland, bei denen nicht alle
Wirkstoffe deklariert sind oder die gefährlich schwankende Dosierungen aufweisen
bis hin zu Wirkungslosigkeit.
Bedenklich stimmt aber, dass neuerdings auch die ärztliche Verschreibung als
eine Bezugsmöglichkeit von Dopingmitteln genannt wird. Im Arzneimittelgesetz
stellt der Paragraph 6a „Verbot von Arzneimitteln zu Dopingzwecken im Sport“ die
gesetzliche Lage klar. Eine andere wichtige Quelle sind Mitsportler und
Bekannte. Betreiber von kommerziellen Sportstudios äußern sich zu diesen Themen
in der Regel nicht – ebenso wenig wie zu Problemen wie Sportsucht und
Sport-Bulimie bzw. Sport-Anorexie. Bei Freizeitsportlern drohen ja keine
Konsequenzen wie Ausschluss von einem Wettbewerb oder finanzielle Einbußen durch
den Verlust eines Sponsors. Aber - abgesehen von den erheblichen
gesundheitlichen Folgen - bei Verdacht auf Verstoß gegen das Arzneimittel- oder
Betäubungsmittelgesetz kann es zu staatsanwaltlichen Ermittlungen kommen.
Eine Lanze für die Fitness-Studios
Diese extremen Phänomene stehen aber nicht für die Masse der Fitness-Studios und
ihre Benutzer. Klar ist, wer ein gutes Studio sinnvoll nutzt, profitiert. Nehmen
Sie sich Zeit und testen Sie das Studio Ihrer Wahl persönlich. Wie sauber ist es
und sind die Maschinen funktionstüchtig? Ist es überhaupt gut erreichbar für
Sie? Gibt es Ansprechpartner, die Sie auch während des Trainings immer wieder
kontrollieren? Hat das Studio ein Gütesiegel? Ein kostenloses Probetraining
sollte möglich sein. Und wie lange binden Sie sich vertraglich? Wie viel
Leistung für wie viel Geld – was bietet das Studio neben dem reinen
Maschinentraining an Kursen etc.? Denn es gilt ohne Wenn und Aber: Muskelaufbau
und Training im richtigen Maß ist eine gesunde Sache, von der Sie bis ins hohe
Alter hinein profitieren können.
Stand 2009
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