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Fitness – Wenn Sport zur Sucht wird

Die Zahl derjenigen, die Sport in Extremform betreiben, wächst. In US-amerikanischen Fitnessstudios nennt man sie "Permanent Residents", ständige Bewohner. Und mittlerweile sind auch Extremsportarten wie Marathon oder Triathlon nicht mehr nur wenigen Leistungssportlern vorbehalten - ein breites Publikum joggt, radelt oder schwimmt stundenlang durch Berge, Wälder oder Seen. Wenn Sport zur Sucht wird - darüber wird in den USA seit über zehn Jahren geforscht. In Deutschland gibt es nur Schätzungen über die Zahl derjenigen, die unter Sportsucht leiden. Sie ist eine psychische Erkrankung, wie andere Süchte auch. Experten gehen davon, aus, dass rund ein Prozent der Bevölkerung sportsüchtig ist. Der sportliche Ehrgeiz hat überhand genommen und wird zur Belastung für Körper und Seele. Wie bei jeder anderen Sucht kann es zu Entzugserscheinungen kommen, wenn das tägliche Trainingspensum fehlt.

Ab wann ist Sport Zwang?

Wenn man sein ganzes Leben auf die sportliche Aktivität ausrichtet mit der Gefahr, dass soziale Kontakte zu kurz kommen, dann ist das ein Hinweis darauf, dass eine psychische Abhängigkeit bestehen könnte. Drei bis vier Stunden Sport täglich, manchmal sogar mehr, sind für manche ein Muss. Fast die ganze Freizeit verbringen sie im Fitnessstudio oder beim Laufen. Das gesamte Leben wird dem Sport untergeordnet. Oft gehen Beziehungen in die Brüche, soziale Vereinsamung ist oft die Folge. Können fünf der folgenden Punkte mit einem Ja beantwortet werden, ist der Begriff "Sportsucht" angemessen. Dann sollte unbedingt professionelle Hilfe gesucht werden.
(Quelle: Sign-Project)

Wie kommt es zur Sportsucht und was kann man dagegen tun?

Sport in Maßen hält gesund, aktiviert das Immunsystem, regt den Körper zur Produktion der so genannten Glückshormone Endorphine an sowie von Adrenalin und anderen Botenstoffen. Dabei kommt es zu einer lustvollen Erregung. Man strebt dazu, diesen Zustand wieder zu erreichen, man wächst am Erfolg und ist stolz, wenn es höher, schneller und weiter wird. Aber zu viel Training schadet dem Körper: Knochen, Bänder und Sehnen verschleißen frühzeitig, das Immunsystem wird geschwächt. Es kann zu Stoffwechsel- und Hormonstörungen kommen. Sportsüchtige sind gefährdet, ihre Körper durch das exzessive Training dauerhaft zu schädigen. Ursache der Sportsucht sehen Psychologen unter anderem darin, dass der übermäßige Sport bei den Betroffenen auch als Ersatz von Erfolgserlebnissen oder Problemen in anderen Lebensbereichen benutzt wird. Über das Extrem-Training finden sie Anerkennung. Betroffene finden nicht immer aus eigener Kraft einen Ausweg aus der Sportsucht. Deshalb sollte die professionelle Hilfe eines Psychologen oder Psychotherapeuten in Anspruch genommen werden. Manchmal ist die Sucht so ausgeprägt, dass auch ein Klinikaufenthalt nötig ist.

Sport-Bulimie, Sport-Anorexie (anorexia athletica) – Extreme Wege zur Traumfigur

In den Medien wird uns täglich vorgeführt, was als Körperideal vermeintlich erstrebenswert sein soll – Männer mit einem muskulösen, schlanken Superkörper und Frauen mit Wunschgewicht und Traumfigur. Hinter der Sportsucht steckt nicht selten das Streben nach diesem Körperideal, das Extrem-Training kann Mittel zur Gewichtsreduktion werden mit erheblichen gesundheitlichen Folgen. Aber weitaus schwieriger wird es, wenn Sportsucht sich mit Magersucht bzw. Ess- Brechsucht kombiniert. Bei Magersüchtigen spricht man von „Sport-Anorexie“ oder „Anorexia athletica“, bei Bulimiker/innen von „Sport-Bulimie“. Bei den Betroffenen, egal ob Mann oder Frau, ist meistens die Körperwahrnehmung gestört. Objektiv schlanke Menschen empfinden sich selbst trotzdem noch als zu dick. Ein gut gebauter Mann mit Muskelbergen fühlt sich trotzdem noch schlaff und unattraktiv.

Etwa ein bis zwei Prozent aller Mädchen und jungen Frauen sind magersüchtig, bis zu fünf Prozent ess-brechsüchtig. Es gibt keine detaillierten Angaben dazu, wie hoch die Anzahl der Betroffenen im Bereich Sport-Anorexie oder Sport-Bulimie ist. Frauen leiden sehr viel häufiger dran als Männer. Besonders in ästhetischen Sportarten wie Turnen, Ballett, Tanzen, Eiskunstlauf oder Synchronschwimmen sowie in Ausdauersportarten oder Sportarten mit Gewichtsklassen leidet ein deutlich höherer Anteil der Sportler an einer Essstörung. Neben extremem Training flüchten Sportler zu Bulimie oder Magersucht, um ihr Gewicht kontrollieren zu können. Erhebungen gehen davon aus, dass bis zu 25 Prozent aller Sportlerinnen unter Essstörungen leiden; amerikanische Wissenschaftler gehen davon aus, dass im Eiskunstlaufen oder Turnen sogar mehr als 60 Prozent betroffen sind.

Gesundheitsrisiken durch Sport-Anorexie und Sport-Bulimie

Sportler mit Essstörungen gehen ein erhöhtes Risiko für gesundheitliche Schäden ein. Schwankungen im Elektrolythaushalt und Herzrhythmusstörungen bis hin zum Herzstillstand können auftreten, weil der Körper neben der sportlichen Aktivität zusätzlich durch die Ess-Störung beansprucht wird. Ess-Störungen verursachen eine Entkalkung des Skelettsystems – es werden zu wenig Mineralstoffe aufgenommen, das Osteoporose-Risiko steigt, d.h. die Knochenmasse vermindert sich und die Knochenstruktur verschlechtert sich. Die Folge: Stressfrakturen, etwa des Unterarms, der Wirbelkörper oder des Oberschenkelhalses treten durch die hohen sportlichen Belastungen verstärkt auf. Zusätzlich können weitere Störungen auftreten wie Depressionen, Antriebsarmut, Leistungsverlust und Schlafstörungen. Der Teufelskreis schließt sich, wenn Betroffene deshalb durch übermäßiges Training versuchen, die euphorisierende Wirkung des Sportes für sich nutzbar zu machen. Irgendwann streikt der Körper und der Geist.

Professionelle Hilfe bei Sport-Bulimie oder Sport-Anorexie

Bei Sport-Anorexie oder Sport-Bulimie ist professionelle Hilfe dringend erforderlich, denn unter Umständen kann die Ess-Störung gepaart mit Sportsucht gesundheitliche Schäden nach sich ziehen, die tödlich sein können, u.a. Leberversagen oder Herzstillstand. Häufig ist ein (oder mehrere) Therapie-Aufenthalt(e) in einer Fachklinik nötig. Ein Facharzt (Sportpsychologie/Sportmedizin/Psychosomatik) kann feststellen, ob der Aufenthalt in einer Klinik angezeigt ist.

Stand 2009

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