Zurück zur Themenübersicht

Vergiftungen in Haus und Garten

Gifte lauern überall in unserer Umgebung

Gifte sind ein Teil unserer täglichen Umgebung. Sie lauern nahezu überall im Haushalt: Im Medizinschrank, bei den Putzmitteln oder in der Garage. Selbst harmlos anmutende Produkte wie Kosmetika können, wenn sie geschluckt werden, zu Vergiftungen führen. Und schließlich hält auch die Pflanzenwelt zahlreiche giftige Überraschungen parat. Erwachsene können solche Gefahren einschätzen. Unfälle mit giftigen Substanzen sind bei ihnen daher eher selten. Anders sieht das bei Kindern aus, insbesondere bei Kleinkindern. Denn sie entdecken die Welt, wollen wissen, wie Dinge riechen und schmecken. Gerade im Alter zwischen ein und drei Jahren neigen sie dazu, alles in den Mund zu stecken, was ihnen in die kleinen Hände gerät. Schnell ist etwas darunter, was gefährlich werden könnte.

Laut Angaben der Aktion „Das sichere Haus“ aus dem Jahr 2008 vergiften sich in Deutschland jährlich rund 80.000 Kinder so schwer, dass sie ärztlich behandelt werden müssen. Medikamente stehen dabei mit rund 34 Prozent ganz oben auf der Verursacherliste, gefolgt von Nikotin (rund 20 Prozent), Haushaltsreinigern und Pflegemitteln (14 Prozent) sowie Giftpflanzen (zehn Prozent). Die Vergiftungen können dabei nicht nur innerlich, also durch Verschlucken, erfolgen. Auch Schädigungen der Haut und der Schleimhäute durch ätzende und reizende Substanzen werden als Vergiftungen bezeichnet. In den meisten Fällen kommen Kind und Eltern allerdings noch einmal mit dem Schrecken davon. Denn nur ein sehr geringer Prozentsatz aller Vergiftungsunfälle ist wirklich gefährlich. Hochgiftige Substanzen riechen meist schon sehr unangenehm oder haben einen schlechten Geschmack, so dass auch Kinder sie nicht anrühren. Dennoch sollten Eltern ihren Blick für giftige Versuchungen schärfen und Vorsichtsmaßnahmen treffen, damit es erst gar nicht soweit kommt.

Gefahrenquelle Haushalt – Vorsicht Gift!

Die meisten Vergiftungsunfälle bei Kindern passieren im häuslichen Bereich. Ganz oben auf der Liste der Gefahrenquellen stehen Medikamente, Zigaretten sowie Putz- und Reinigungsmittel. Aber auch die meisten Kosmetika haben eine mehr oder weniger giftige Wirkung. Je bunter die Verpackungen sind und je besser die Produkte riechen, desto größer ist dabei die Gefahr, dass die Kleinen sich dafür interessieren. In Kinderaugen können Geschirrspültabs leicht wie leckere Brause aussehen, Tabletten wie Bonbons oder das Zitronenshampoo wie süßes Gelee.

Giftige Substanzen im Haushalt: Bitte sicher aufbewahren!

Der beste Schutz vor Vergiftungsunfällen ist natürlich, die Gefahrenquellen so gering wie möglich zu halten. Im eigenen Haushalt ist das gut möglich, denn hier können die Eltern weit reichende Vorsichtsmaßnahmen ergreifen. So gehören alle Medikamente grundsätzlich außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahrt, am besten in einem verschließbaren Arzneimittelschrank. Auch Putz- und Reinigungsmittel gehören unter Verschluss, insbesondere hochchemische Produkte wie etwa Backofensprays oder Abflussreiniger. Solche „Chemiekeulen“ sind durch deutliche Warnhinweise gekennzeichnet: Alles, was ein schwarzes Symbol mit orangefarbenen Hintergrund trägt, verlangt nach besonderer Vorsicht, auch bei der Anwendung. So können beispielsweise schon die Dämpfe eines Rohrreinigers eine ätzende Wirkung auf die Atemwege haben. Ein Raum, in dem ein solches Reinigungsmittel gerade verwendet wird, sollte daher vorübergehend für Kinder unzugänglich gemacht werden.

Vorsicht statt Nachsicht

Für die sichere Aufbewahrung von Haushaltschemikalien sind im Fachhandel spezielle Verschlussmechanismen erhältlich. Solche Kindersicherungen können leicht an Küchenschränke angebracht werden, hinter denen sich Gefahrenquellen verbergen. Auch täglich verwendete Produkte wie Spülmittel lassen sich so bequem außerhalb der Reichweite der Minis lagern. Im Bad wird es meist schon schwieriger: Kosmetika, Haarsprays, Parfums oder spezielle Zahnreinigungsmittel gehören zumindest so hoch gestellt werden, dass Kinder sie nicht erreichen können. Das Gleiche gilt in der Garage oder im Gartenhaus: Chemikalien wie Autopflegemittel, Benzin, Öle, Farben, Lacke, Verdünner, Unkrautvernichter etc. gehören in höchste Höhen, noch besser aber unter absoluten Verschluss.

Ein weiterer häufiger Fehler: Nie Reinigungsmittel, Chemikalien oder Medikamente in Lebensmittelbehälter umfüllen! Das kann leicht zu Verwechselungen führen, selbst bei entsprechender Beschriftung. Auch Entkalker sollte immer sofort aus der Kaffeemaschine oder dem Wasserkocher entfernt und das Gerät gründlich nachgereinigt werden. Und schließlich sollten Eltern immer darauf achten, dass alles, was irgendwie gefährlich werden könnte, nach jedem Gebrauch wieder an einen sicheren Platz kommt. Doch selbst bei aller Vorsicht lassen sich Vergiftungsunfälle leider nicht immer gänzlich ausschließen, insbesondere nicht in fremden Haushalten.

Gifte in der Pflanzenwelt – Auch im Garten oder Park droht Gefahr!

Neben dem Haushalt spielt auch die Pflanzenwelt bei Vergiftungen eine wichtige Rolle. Kinder probieren gerne einmal Pflanzenteile oder Früchte, von denen sie besser die Finger lassen würden. Die Liste giftiger Pflanzen ist dabei lang: Efeu, Goldregen, Fingerhut, Stechapfel, Tollkirsche und natürlich auch der Fliegenpilz, um nur einige bekannte Giftträger zu nennen. Die Gifte dienen der Pflanze meist als Schutz gegen Schädlinge und Fressräuber, manche sind auch einfach nur Stoffwechselprodukte. Oft sind es so genannte Alkaloide, die für die Giftigkeit der Pflanze zuständig sind: Sie können die Weiterleitung von Nervenreizen beeinflussen oder Stoffwechselprozesse stören. Auch Durchfall oder Bauchschmerzen sind häufige Symptome bei Pflanzenvergiftungen. Manche Pflanzen besitzen zudem ätzende Substanzen im Pflanzensaft. Insbesondere der immer weiter verbreitete Riesenbärenklau oder Herkulesstaude ist in dieser Beziehung gefährlich. Bei Sonneneinstrahlung wird sein Pflanzensaft ätzend – man spricht hier von phototoxischen Substanzen.

Wer sich näher informieren möchte, was die Natur alles an Giften parat hält, kann dies beispielsweise auf den Internetseiten der Giftzentrale Bonn tun. Dort findet sich eine ausführliche Liste von leicht giftigen, giftigen und sehr giftigen Pflanzen mit weiterführenden Informationen, welcher Pflanzenteil genau das Gift in sich trägt. Um Vergiftungsunfälle mit Pflanzen im eigenen Haus oder Garten zu vermeiden, sollten hier keine Giftträger zum Einsatz kommen. Bei unbekannten Zimmer- oder Gartenpflanzen kann der Gärtner sicherlich bei der Bestimmung helfen. Kommt es dennoch zum Ernstfall, sollten die Eltern - soweit möglich - noch vorhandene Pflanzenteile sofort sichern, damit ein Arzt oder Mitarbeiter einer Giftzentrale die Pflanze bestimmen und eine adäquate Behandlung einleiten kann.

Vergiftungen erkennen und richtig behandeln

Die meisten Vergiftungsunfälle passieren, wenn die Eltern gerade einmal nicht hingucken. Handelt es sich nicht um eine äußerliche Verletzung, wie z.B. durch ätzende Flüssigkeiten, ist es oft sehr schwierig, eine solche Vergiftung überhaupt zu erkennen. Das Kind ist vielleicht nur ungewöhnlich müde und schlapp, apathisch, es friert, hat Bauchschmerzen oder klagt über Übelkeit. Deutlichere Anzeichen sind etwa Erbrechen, krampfartige Bauchschmerzen, Atemstörungen, Schock und Kreislaufversagen.

Sobald der Verdacht einer Vergiftung besteht, gilt vor allem Ruhe bewahren! Ein überstürztes Herbeiführen von Erbrechen oder der Einsatz so genannter Hausmittel (z.B. Milch, Salz) kann unter Umständen alles nur noch verschlimmern. Beruhigen Sie ihr Kind, versuchen Sie, eventuell noch Reste des Verschlucktem aus dem Mund zu fischen oder bewahren Sie herumliegende Reste für den Arzt. Wichtig ist, was und wie viel das Kind eingenommen hat. Bei schweren Symptomen sollte sofort ein Notarzt angerufen werden, im Zweifelsfall eine Giftzentrale. Hier stehen Tag und Nacht Fachleute bereit, die anhand der Informationen einschätzen können, ob es nötig ist, einen Notarzt einzuschalten. Dafür ist es wichtig, möglichst viele Informationen zu geben: Wie alt ist das Kind und wie viel wiegt es? Was sind die Symptome und wie lange werden sie schon beobachtet? Idealerweise kann auch gesagt oder zumindest vermutet werden, was die Vergiftung ausgelöst hat.

Ratsam ist es auch, einen so genannten Entschäumer und medizinische Kohle in der Hausapotheke parat zu haben. Entschäumer sind immer angebracht, wenn schäumende Putz- und Reinigungsmittel verschluckt wurden. Medizinische Kohle bindet schnell und zuverlässig Giftstoffe schon im Magen. Großer Vorteil beider Mittel ist, dass sie kaum Nebenwirkungen haben und die Wirkung der Giftsubstanz auf keinen Fall verschlimmern können.

Eine gewisse Vorsicht ist also durchaus angebracht, sie sollte aber auch nicht übertrieben werden. Nicht jeder Kontakt mit giftigen Pflanzen oder Haushaltsmitteln führt auch zu einer Vergiftung. Ein gesundes Maß an Umweltkontakten führt im Gegenteil zu einem gesunden Immunsystem.

Stand 2009

Zurück zur Themenübersicht