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Manuelle Komplextherapie hirngeschädigter Kinder

Die Ambulanz für Manuelle Medizin in Bad Krozingen ist einzigartig in Deutschland. Die Ärzte haben sich auf die kindgerechte Behandlung hirnorganisch geschädigter Kinder spezialisiert, um deren körperliche Restfähigkeiten zu fördern und zu stabilisieren. Eine Heilung z.B. spastischer Lähmungen ist mit dieser Therapie nicht zu erlangen, sehr wohl aber langanhaltende Besserungen der Bewegungsfähigkeit.

Was bedeutet manuelle Komplextherapie?

Manuelle Medizin befasst sich mit Funktionsstörungen des Haltungs- und Bewegungssystems. Unter „Komplexbehandlung“ wird die intensive Kombination verschiedener therapeutischer Anwendungen (Physiotherapie, Krankengymnastik, Ergotherapie und manuelle Medizin) verstanden, mit dem Ziel, in relativ kurzer Zeit (etwa zwei Wochen) möglichst vielfältige Bewegungsfortschritte zu erreichen. Es hat sich herausgestellt, dass vor allem die Intensität der Behandlungen für das Ausmaß der Wirkung verantwortlich ist. Die Grundidee: Auf der einen Seite lernen die Kinder viele Dinge nicht, weil sie zu mühsam sind. Denn ihre Muskeln sind zu steif sind und die Gelenke zu schwergängig. Manuelle Medizin hilft, die Beweglichkeit der Muskeln und Gelenke zu verbessern. Die Physiotherapeuten versuchen dann in Zusammenarbeit mit den Ärzten aus der verbesserten Bewegungsmöglichkeit für das betroffene Kind eine verbesserte Bewegungsfähigkeit zu entwickeln.

Komponenten der Manuellen Medizin ....

Atlastherapie nach Arlen: Vor über 40 Jahren entwickelte der französische Arzt Albert Arlen die nach ihm benannte spezielle "Impuls" – Therapie. Sie wird auch in Deutschland zunehmend angewandt. Die Therapie besteht aus einer Serie von mehreren schmerzlosen, kurzen Fingerdruckimpulsen auf den 1. Halswirbel (Atlas) und damit auf die wichtigen Nervenzentren des oberen Nackens. Dadurch werden Reflexe im Körper ausgelöst, die besonders die Muskelspannung und die Steuerung des vegetativen (unwillkürlichen)  Nervensystems günstig beeinflussen sollen. Die Atlastherapie ist eine ausgesprochen schonende und risikoarme Methode. Der Erfolg der Impulsbehandlung lässt sich unmittelbar nach der Anwendung an der Muskelspannung des Rückens ertasten.

Chirotherapie: Nach der vorbereitenden Atlastherapie folgt eine alte Behandlungstechnik, die Chirotherapie. Dabei wird mit einem kurzen, schmerzlosen „Ruck“ das Bewegungsgleichgewicht von Gelenken und Muskeln wiederhergestellt. Gelegentlich hört man ein Knacken. Das Knackgeräusch ist nicht schädlich, denn die Manipulation der Gelenke wird besonders sanft und damit kindgerecht angewandt.

Myofasziale Lösung (Myo = Muskel; fascial = Spalthäute, die Muskeln und Organe überziehen): Hierbei handelt es sich um eine Dehnung, bei der ein vorsichtiger und gefühlvoller Druck auf das Gewebe solange ausgeübt wird, bis es nachgibt – sich "löst". Denn Muskel und Spalthäute bilden eine funktionell untrennbare Einheit. Die eine Struktur kann nicht ohne die andere „funktionieren“ und umgekehrt. Faszien, d.h. Spalthäute, enthalten ein dichtes Netz feinster Nervenendigungen und glatter Muskelfasern. Ähnlich wie die Muskeln sind auch sie so etwas wie ein Sinnesorgan im Sinne der Eigenwahrnehmung. Dieses myofasziale System ist durch spezielle Handgrifftechniken risikolos beeinflussbar.

... in Kombination mit Physiotherapie!

Krankengymnastik: Durch aktive Dehnungs- und Kräftigungsübungen des Kindes wird die gelähmte Muskulatur stimuliert und das bewirkt eine Reaktionen im Gehirn: Dazu muss man wissen, dass jeder einzelne Muskel ein Sinnesorgan ist, das dem Gehirn meldet, wo sich gerade z. B. die Arme oder Beine befinden. Wenn Muskeln jedoch vom Gehirn nicht richtig gesteuert werden können, werden sie steif, zäh und überspannt, manchmal auch schlaff und teigig. Gestörte Muskeln verfälschen die Wahrnehmung des Körpers. Die Folgen sind dann Störungen an den Gelenken, der Wirbelsäule und den Gliedmaßen. Eine Koordination ist nicht möglich. Bei Kindern kommt hinzu, dass eine gestörte Wahrnehmung und ein damit verbundener Bewegungsmangel zu einem Entwicklungshindernis auch für geistige Fähigkeiten führt.

Das Laufband zählt zu den ergänzenden Maßnahmen, die zur Koordinationsschulung des Bewegungsapparates dienen.

Ergotherapie dient zur Förderung vor allen der Koordination der Feinmotorik, wie der Augen-Hand-Koordination; Hand-Hand-Koordination und der Raumwahrnehmung. Außerdem wird die Benutzung von Hilfsmitteln trainiert: z.B. führen eines Rollstuhls, Gebrauch eines Essbesteckes, Nutzung von Computern zur unterstützten Kommunikation.

Massage: Sie spielt in der komplexen Manualtherapie eine wesentliche Rolle. Durch Reizung der Nervenendigungen werden die Strukturen in der Haut, im Unterhautfettgewebe, in den Muskeln und den Sehnen über spezielle Reflexe gelockert. Die Durchblutung und die Eigenwahrnehmung wird über die Aktivität dieser "gereizten" Nervenendigungen gefördert. Die Muskelspannung wird damit der Normalität nähergebracht.

Systematische wissenschaftliche Ergebnisse zur Manualtherapie fehlen noch weitgehend, aber einzelne Studien weisen darauf hin, dass bestimmte Verfahren wirken. Durch Komplexbehandlung konnten Ärzte beobachten, dass je nach Betroffenheitsgrad des Kindes und nach Betroffenheit des Gehirns, eine Entwicklung innerhalb von vierzehn Tagen erreicht werden konnte, die es normalerweise innerhalb eines Jahres erreichen würde. Aber auch hier gilt: kleine Fortschritte sind große Fortschritte. Geheilt wird niemand. Es kann bei derartigen Therapien nur um beschränkte Verbesserungen gehen. Ein kindliches Hirn ist noch wesentlich besser formbar als das des Erwachsenen, so dass die Ergebnisse bei den Kindern besonders gut sind. Aber auch Unfallopfer oder ältere Menschen nach Schlaganfall profitieren von der Manuellen Medizin, allerdings nur sehr begrenzt.

Was zahlen die Kassen?

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen in einzelnen Fällen die Kosten. Da eine 14tägige Therapie rund 1500 bis 2000 Euro kostet, sollte man auf jeden Fall nachfragen, ob die Behandlung erstattet wird.

Stand  2008

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