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Mikrotherapie

Operation ohne Skalpell – Radiofrequenztherapie (RFT)

Vor einer Operation hat jeder Mensch ein wenig Angst. Ärzte durchtrennen Haut, Muskeln, und Gewebe, schneiden in Organe, legen Nerven frei. – Eine recht blutige Angelegenheit und der Patient bleibt oft Tage bis Wochen in der Klinik. In den letzten Jahren haben sich neue Techniken entwickelt – minimal-invasiv, wie die Ärzte sagen, die Schlüsselloch-Methoden. Sie gehen oft schneller und schonender. Bei einem neuen minimal-invasiven Verfahren, der Radiofrequenztherapie, können Ärzte sogar auf ihr Skalpell verzichten. Sie verwenden einfach Wärme. Für die meisten Körperregionen ist die Methode allerdings noch im Experimentalstadium.

Wirkungsmechanismus

Aus der Spitze einer Nadelelektrode, die in das Gewebe eingeführt wird, fließt ein Hochfrequenz-Wechselstrom. Dieser wird durch einen Radiofrequenzgenerator erzeugt. Die Ionen in dem umgebenden Gewebe versuchen, dem Wechselstrom zu folgen und bewegen sich hin und her. Durch diese ständige Hin- und Herbewegung der Ionen entsteht in dem Gewebe Reibungswärme von 90 bis 120 Grad Celsius. Durch diese Wärme wird das Gewebe um die Elektrode „verkocht“.

Indikationen

Tumore
in der Leber, Weichteiltumore und Tumorrezidive im Becken. Methode der letzten Wahl, wenn ein Tumor aufgrund seiner Größe, Ausdehnung oder Nähe zu lebenswichtigen Organen nicht mehr entfernt werden kann oder wenn das Operationsrisiko für den Patienten wegen schlechten Allgemeinbefindens zu hoch ist.

Rückenschmerzen, wenn andere Methoden nicht zur Schmerzfreiheit geführt haben

Rückfluss von saurem Mageninhalt in die Speiseröhre

Schnarchen, wenn eine Verengung im Bereich der Nase, am Gaumensegel oder im Rachenraum die Ursache für das Schnarchen ist. Dies ist bei rund achtzig Prozent aller Schnarcher der Fall.

Prostatavergrößerung

Vorgehen

RFT in der Tumorbehandlung:

Der Eingriff ist entweder ambulant unter örtlicher Betäubung oder stationär in Narkose möglich. Durch einen kleinen Hautschnitt führt der Arzt eine zwei Millimeter dicke Sonde in das Gewebe. Das geschieht unter Ultraschall- oder CT-Kontrolle, damit er genau sehen kann, wohin die Sonde gelangt. Gleichzeitig befestigt er an anderer Stelle des Patienten eine Neutralelektrode, um ihn zu „erden“.

Durch die Sonde schiebt er in das zu behandelnde Gewebe zehn winzige Drähte und spannt sie auf wie einen Regenschirm. Genau unter diesem Regenschirm liegt das einzuschmelzende Gewebe, maximal vier Zentimeter im Durchmesser. Per Knopfdruck gibt die Sonde den Hochfrequenzstrom ab und das Tumorgewebe wird koaguliert. Nach wenigen Minuten ist der Eingriff vorbei.

Wurde der Patient ambulant behandelt, darf er gleich nach dem Eingriff wieder gehen; nach einer Narkose muss er etwa zwei Tage im Krankenhaus bleiben. Bei der Nachkontrolle einige Wochen später sieht man, ob und wie viel von dem Tumor oder der Tochtergeschwulst noch übrig geblieben ist.

RFT bei Rückenschmerzen:

Dieser Eingriff ist nicht in Narkose möglich, da die Ärzte auf die Mitarbeit des Patienten und seine Schmerzangaben angewiesen sind. Unter Röntgen-Kontrolle spritzen sie ein Betäubungsmittel in das schmerzende Gebiet, um eine Unterbrechung der Schmerzleitung zu erreichen und diese Unterbrechung vor dem endgültigen Eingriff zu simulieren. Dadurch kann man den voraussichtlichen Nutzen des Eingriffs testen. Anschließend schieben sie die Thermosonde an die gleiche Stelle bis zum Nerven vor und setzen etwa eine Minute lang einen Hitzereiz von 70 bis 90 Grad Celsius. Das unterbricht die elektrische Leitfähigkeit des Nerven.

RFT bei Schnarchen

Vor einer Operation sollten sich Schnarch-Patienten in einem Schlaflabor untersuchen lassen, um eine sogenannte Schlafapnoe – bei der es zu 20sekündigen Atemstillständen kommen kann – auszuschließen. Fallen die Atemwege im Test schon bei niedrigem Druck zusammen, liegt eine Schlafapnoe vor. In einem solchen Falle ist von einer RFT abzuraten.

Während des Eingriffs, der unter Umständen auch einer leichten Narkose stattfindet, wird das überschüssige Gewebe mit der Elektrosonde weggeschnitten – ähnlich wie bei einem Laserverfahren.

Was spürt der Patient? An der Wirbelsäule schmerzt die RFT in der Regel nicht, der Kranke spürt lediglich eine starke Wärme am Ort des Eingriffs. Bei Tumoren in den Organen kann es zu stärkeren Schmerzen kommen; dem kann durch eine großzügige Schmerzmittelgabe vorgebeugt werden, in manchen Fällen wird auch eine Vollnarkose gegeben.

Erste Erfahrungen

In der wissenschaftlichen Literatur gibt es widersprüchliche Angaben. Einerseits gibt es Publikationen, in denen bei 85 % der Behandelten kein erneutes Tumorwachstum auftrat – wenn die Geschwulst vollständig entfernt worden war. Andererseits finden sich Angaben, das bei der Hälfte der behandelten Patienten der Tumor nachwuchs oder sich an anderen Stellen des Organs (Leber) bildete.

Vorteile

Die Methode kann auch angewendet werden, wenn herkömmliche Verfahren aufgrund des schlechten Allgemeinzustandes nicht mehr möglich sind.

Die RFT lässt sich beliebig oft und auch in kurzem zeitlichen Abstand wiederholen.

Für den Patienten stellt der Eingriff nur eine geringe Belastung dar.

Nachteile

Mindestens 3000 Mark kostet die RFT ohne Narkose, in der Regel werden die Kosten nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Grenzen der Methode

Tumoren über vier Zentimeter Durchmesser lassen sich mit der RFT nicht entfernen. Winzige Geschwülste oder Metastasen können übersehen werden. Bei minimal-invasiver Tumorentfernung sieht man nicht ebenso viele Strukturen wie bei einer „richtigen“ Operation, beispielsweise mit Bauchschnitt.

Jene Formen des Schnarchens, die nicht durch überschüssiges Gewebe im Bereich der oberen Luftwege verursacht sind, lassen sich mit der RFT nicht beseitigen.

Nebenwirkungen

Generell können bei einer RFT alle Komplikationen auftreten, die auch bei anderen endoskopischen Operationen möglich sind. Dies sind vor allem Infektionen oder Blutungen. Weiterhin wurden folgende Nebenwirkungen beobachtet:

Im Falle einer Frühschwangerschaft können Schäden am Embryo durch die Röntgenstrahlen entstehen.

Stand September 2001

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