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Besser leben mit Parkinson: Therapien, die wirklich helfen
Morbus
Parkinson ist eine unheilbare, fortschreitende Erkrankung, deren Symptome
lediglich gelindert werden können. Dennoch zeigen Studien, dass je früher die
Erkrankung Parkinson diagnostiziert und behandelt wird, desto länger lässt sich
eine gute Lebensqualität aufrechterhalten. Es ist also wichtig, scheinbar
harmlose Symptome untersuchen zu lassen, denn die ersten Anzeichen eines
Parkinsons sind: Ständige Muskelverspannungen, Schulterschmerzen, veränderte
Armbewegungen beim Gehen, Riechstörungen, eine kleiner werdende Handschrift, ein
Zittern oder die Verkürzung der Schrittlänge. Bestätigt sich der Verdacht, wird
eine sorgfältig geplante, individuelle Therapiestrategie von einem Facharzt
(Neurologen) festgelegt.
Im Mittelpunkt der Parkinson-Behandlung steht die medikamentöse Therapie und
Krankengymnastik. Erst wenn durch Medikamente keine Linderung der Beschwerden
mehr erzielt werden kann, sollten operative Therapien wie z.B. die tiefe
Hirnstimulation in Betracht gezogen werden.
Folgende Ziele stehen bei der Parkinson-Therapie im Vordergrund:
Die
Behandlung der Beschwerden, um die Lebensqualität und die Selbständigkeit
des Patienten so lange wie möglich zu erhalten (behandelt werden sollten
motorische, kognitive, kommunikative sowie psychiatrische Symptome der
Erkrankung)
Die
Arbeitsfähigkeit des Patienten so lange wie möglich zu erhalten und
Die
Pflegebedürftigkeit möglichst lange zu vermeiden
Komplikationen und Begleiterkrankungen zu verhindern und Nebenwirkungen der
Medikamente zu minimieren
Was fehlt wird ersetzt: Hintergründe
für die medikamentöse Ersatztherapie
Die Ursachen der Parkinson’schen Erkrankung sind nur in den seltensten Fällen
bekannt. Wissenschaftlich erforscht ist aber, wie Parkinson die Nervenzellen im
Gehirn und den Dopaminhaushalt beeinflusst. Diese Erkenntnisse sind wichtige
Grundlagen für die medikamentöse Behandlung von Parkinson: In den Nervenzellen
der Substantia nigra (schwarze Substanz), die wegen des hohen Eisen- und
Melaningehaltes ihrer Zellen dunkel gefärbt ist, wird der Botenstoff Dopamin
gebildet, eine Vorläufersubstanz der Hormone Adrenalin und Noradrenalin.
Dopaminhaltige Nervenzellen gibt es vorwiegend in der Substantia nigra im
Mittelhirn. Von der Substantia nigra reichen Nervenfasern zu dem nahe gelegenen
Streifenkörper (Striatum), wo Impulse für Bewegung über Dopamin weitergeleitet
werden. Sowohl Striatum als auch Substantia nigra sind an der Koordination von
Bewegungsabläufen beteiligt. Fehlt Dopamin oder tritt ein Dopaminmangel auf,
werden die Nervenzellen im Streifenkörper nicht ausreichend stimuliert. In der
Folge kommt es zu der Parkinson-typischen Verlangsamung aller Bewegungen, zu
einer Bewegungsarmut bis hin zur Bewegungslosigkeit (Akinese). Zu beobachten
sind auch Veränderungen des Muskeltonus, d.h. es kommt zu einer
Spannungserhöhung in den paarweise wirkenden Muskeln (z.B. Beuge- und
Streckmuskeln). Dieses Phänomen wird auch als Rigor oder Muskelsteifheit
bezeichnet. Die Patienten erleben den Rigor als Steifheitsgefühl in den Armen
und Beinen. Außerdem ist ein Zahnradphänomen vorhanden, das heißt der Arm lässt
sich nur ruckartig und abgehackt bewegen. Da bei Parkinson-Patienten bereits
innerhalb von fünf bis sieben Jahren etwa 50 Prozent der für die
Bewegungssteuerung wichtigen und Dopamin-produzierenden Nervenzellen der
Substantia nigra zugrunde gehen, wird der Mangel an Dopamin immer größer.
Wirkstoffe gegen die Symptome
Der erste Ansatzpunkt: Den Dopamin-Mangel auf direkten oder indirekten Weg
auszugleichen, um Beschwerden wie Bewegungssteifigkeit und Zittern zu lindern.
Da Dopamin aber nicht die Blut-Hirn-Schranke überschreiten kann, wird die
Vorläufersub-stanz Levodopa (genannt L-Dopa)
gegeben. L-Dopa gelangt problemlos ins Gehirn und wird dort von einem speziellen
Enzym in Dopamin umgewandelt. In den ersten Krankheitsjahren verläuft die
medikamentöse Therapie meist problemlos und L-Dopa gilt als das wirksamste
Arzneimittel besonders bei älteren Patienten (über 70ig Jahre). Das Problem aber
ist: L-Dopa begünstigt nach längerer Einnahmedauer eine motorische Komplikation,
die so genannte Dyskinesie, d.h. eine unkontrollierbare, übermäßige
Beweglichkeit, auch Hypermobilisation genannt. Vermutet wird, dass durch die
Aufnahmeart der Wirkstoffe (Tabletten, Kapseln über den Magen-Darm-Kanal) es zu
zeitlichen Schwankungen in der Freisetzung des Wirkstoffs kommt. Es existieren
bereits Medikamentenpumpen, mit denen die Wirkstoffe entweder direkt in den
Dünndarm geleitet oder über Kanülen unter die Haut infundiert werden, um diese
Schwankungen zu vermeiden. Ein weiteres Problem von L-Dopa ist: Im Laufe der
Jahre nimmt die Wirkung ab, die Nebenwirkungen aber deutlich zu. Darum wird in
der Frühphase bei jüngeren Parkinson-Patienten (unter 70 Jahren) zunächst auf
die Gabe von L-Dopa entweder zugunsten anderer Wirkstoffgruppen verzichtet oder
L-Dopa mit anderen Wirkstoffen kombiniert.
Zum Beispiel mit Wirkstoffen, die den Abbau von Dopamin verzögern, die so
genannten MAO B- und COMT-Hemmer. Sie hemmen die Wirkung
spezieller körpereigener Enzyme, die dafür sorgen, dass Dopamin im Gehirn
abgebaut wird. Unter den MAO-B Hemmern gibt es eine Neuentwicklung (der
Wirkstoff Rasagilin), der in einer Studie weiter überprüft wird. Es wird
vermutet, das Rasigilin den Abbauprozess der Zellen im Gehirn und damit das
Fortschreiten der Erkrankung möglicherweise aufhalten kann.
Eine weitere Säule der medikamentösen Therapie ist die Gabe von so genannten
Dopamin-Agonisten (auch Dopaminersatzstoffe genannt). Diese
Wirkstoffgruppe ist seit Mitte der 1970er Jahre verfügbar. Anders als L-Dopa
greifen Dopamin-Agonisten direkt an den Dopaminrezeptoren des Streifenkörpers an
und verursachen weniger motorische Komplikationen. Statt L-Dopa erhalten darum
jüngere Patienten (unter 70 Jahren) zu Beginn der Behandlung Dopamin-Agonisten
als Monotherapie, oder ggf. in Kombination mit L-Dopa.
Neu ist ein Wirkstoff-Pflaster mit dem Dopamin-Agonisten Rotigotin. Diese
Anwendungsform hat gleich mehrere Vorteile für den Patienten: 1. Der Wirkstoff
wird über die Haut direkt ans Blut und ins Gehirn abgegeben. 2. Es kommt dadurch
zu keinen Wirkungsschwankungen, weil die Dosis 24 Stunden lang auf gleichem
Niveau gehalten werden kann. 3. Der Patient läuft nicht mehr Gefahr, die
Einnahme seines Medikamentes zu vergessen.
Eine gesonderte Wirkstoffgruppe beeinflusst ganz speziell das Zittern (Tremor).
So genannte Anticholinergika: Anticholinergika wirken im Gehirn
über Neurotransmittersysteme und sie zählen zu den ältesten
Parkinson-Medikamenten. Heute werden sie aber kaum noch oder nur noch sehr
selten eingesetzt, da sie starke Nebenwirkungen haben. Eine weitere
Wirkstoffgruppe sind die Glutamatant-Agonisten. Auch sie
beeinflussen Zentren, die für die Steuerung von Bewegungen verantwortlich sind
und können alle motorischen Parkinsonsymptome bessern.
Fazit: Trotz der fortwährenden Entwicklung neuer Medikamente
lässt es sich zur Zeit noch nicht vermeiden, dass Parkinson-Patienten im Laufe
des Lebens immer mehr Medikamente einnehmen müssen – bis zu 30 Tabletten am Tag.
Wichtig ist es zu bedenken, dass die Parkinsonerkrankung in über 50 Prozent der
Fälle mit einer mittelschweren bis schweren Depression einhergeht, die wiederum
einen erheblichen Einfluss auf die Lebensqualität nimmt. Auch hier sollte an
eine medikamentöse Therapie immer gedacht werden.
Weitere Therapiemöglichkeiten
Eine ganz wesentliche Ergänzung zur medikamentösen Behandlung ist die
Physiotherapie, um die Bewegungsfähigkeit des Patienten zu
verbessern. Manche Patienten erfahren auch nach Akupunktur eine
Besserung ihrer Beschwerden.
Elektroden gegen die Bewegungslosigkeit - Hirnschrittmacher
In den letzten Jahren hat die Neurochirurgie wieder an Bedeutung gewonnen: durch
so genannte stereotaktische Therapien. Im Fall von Parkinson
ist es die tiefe Hirn-stimulation, die zum Tragen kommt, wenn
die medikamentöse Therapie versagt hat. Elektroden werden unter Betäubung aber
im wachen Zustand in bestimmte Regionen des Gehirns implantiert. Das Prinzip:
Ein Hochfrequenz-Impuls moduliert bestimmte Hirnareale um die Bewegungsstörungen
deutlich zu vermindern.
Nach neuen Studien besserte sich die Lebensqualität der operierten Patienten um
über 20 Prozent gegenüber der normalen medikamentösen Therapie; die motorischen
Fähigkeiten verbesserten sich um mehr als 40 Prozent; außerdem gelten die so
genannten Hirnschrittmacher als Medikamenten gegenüber in ihrer Wirkung als
überlegen. Nebenwirkungen des Eingriffes wie Blutungen liegen im Bereich von 0,4
bis vier Prozent der Eingriffe. Zu bedenken gilt auch hier: Die Operation
verhindert nicht das Fortschreiten der Erkrankung. Einschränkungen:
Nicht jeder Patient ist für den Eingriff geeignet. Patienten über 75 Jahre, oder
die eine schwere Demenz haben, unter schweren Depressionen leiden oder eine
schwere Gang- oder Haltungsinstabilität aufweisen, sind von diesem Eingriff
ausgeschlossen.
Forschung
Im Experimentalstadium befinden sich gegenwärtig interessante Forschungsansätze:
Dabei geht es um Neuroregeneration und Transplantation.
So gelang es Amerikanischen Wissenschaftlern bei sechs Patienten, Netzhautzellen
aus dem Auge, die L-Dopa produzieren, erfolgreich ins Gehirn zu transplantieren.
Dadurch konnten die typischen motorischen Parkinsonsymptome verbessert werden.
Erst in einigen Jahren und nach intensiven Forschungen soll dieses Verfahren
Marktreife erlangen. Weltweit laufen außerdem Versuche, durch Transplantation
von Stammzellen geschädigte Nervenzellen zu ersetzen. Die Forscher hoffen, dass
sich auf diese Weise zerstörtes Nervengewebe wieder regenerieren lässt. Aber
alles das ist Zukunftsmusik: Nach Meinung von Marburgern Experten ist eine
sichere Parkinson-Therapie mit Stammzellen frühestens in zehn bis 20 Jahren
verfügbar.
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