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Krankheiten der Prostata und ihre Behandlung
Zwei von
drei Männern über 60 Jahre leiden unter einer Prostata-Erkrankung. In den
meisten Fällen handelt es sich um eine gutartige Variante, die in der
Fachsprache Benigne Prostata-Hyperplasie (BPH) genannt wird.
Funktion der Prostata
Die Prostata ist eine kastaniengroße Drüse, auch Vorsteherdrüse genannt. Sie
liegt direkt unterhalb der Blase, zwischen Blasenboden und Beckenboden und
umschließt die Harnröhre wie eine Faust. Diese Geschlechtsdrüse ähnelt in ihrer
Funktion einem Mischventil. Die Prostata produziert ein milchig-dünnflüssiges
Sekret, das für die Bewegungsfähigkeit der Spermien sorgt und mischt es in die
Samenflüssigkeit. Dieses Prostatasekret macht zusammen mit dem Samenblasensekret
den Hauptbestandteil des Ejakulats aus. Ein kleiner Schließmuskel der Prostata
übernimmt zudem die Aufgabe eines "Rückschlagventils". Er sorgt dafür, dass
keine Samenflüssigkeit in die falsche Richtung fließt.
Gutartige Vergrößerung der Prostata – BPH
Die Prostata wiegt bei der Geburt nur 1-2 g und fängt erst zu Beginn der
Pubertät an zu wachsen, bis sie ihr normales Gewicht von etwa 25 bis 30 g
erreicht. Ab dem 40. Lebensjahr - mit Beginn der „Wechseljahre des Mannes“ -
wächst die Prostata erneut. Der Grund: Die Prostatafunktion ist abhängig vom
Hormonspiegel des Mannes, der ab etwa dem 40. Lebensjahr zunehmend geringer
wird. Je weniger Hormone im Blut sind, desto mehr versucht die Drüse diesen
Verlust durch Gewebewachstum auszugleichen. Eine solch gutartige Wucherung des
Prostatagewebes wird Benigne Prostata-Hyperplasie (kurz BPH) genannt.
Die BPH ist eine der häufigsten Ursachen für Harnabflussstörungen beim Mann.
Denn wenn die Prostata wächst, dann nicht nur nach außen. Auch ihr inneres
Gewebe unmittelbar um die Harnröhre kann wachsen. Dadurch wird die Harnröhre,
die von der Prostata umgeben ist ringförmig eingeengt. Die Folge: Der Harn wird
in seinem Abfluss gestört. Er wird durch die immer enger werdende Leitung
verlangsamt oder tröpfelt nur noch. Die Blase kann so immer schwerer vollständig
entleert werden, der Restharn verursacht Harndrang. Die gewachsene Prostata kann
auch gegen die Harnblase drücken und so ein Harndrang-Gefühl verursachen. Je
älter ein Mann ist, umso wahrscheinlicher ist es, dass seine Prostata sich
vergrößert. Etwa die Hälfte aller Männer über 50 Jahren und nahezu alle Männer
über 70 Jahren haben nachweisbare Veränderungen im Sinne einer gutartigen
Prostatavergrößerung. Allerdings sind nur bei etwa 20 Prozent dieser Männer die
Beschwerden so groß, dass sie sich einer Therapie unterziehen müssen.
Symptome und Stadien der BPH
Da die BPH einen langsamen Verlauf hat, wird sie zunächst meist nicht bemerkt.
Manchmal treten die ersten Beschwerden erst nach Jahren auf. Wie die
Harnabflussstörungen ausgeprägt sind, hängt insbesondere vom Stadium der
Erkrankung ab. Denn je größer die Prostata wird, desto stärker engt sie die
Harnröhre ein. Langfristig kann dies zu erheblichen gesundheitlichen
Konsequenzen führen.
Anfangsstadium: Hier liegen meist verschiedenartige Probleme im
Zusammenhang mit dem Wasserlassen vor:
Schwacher Harnstrahl
Probleme, das Wasserlassen zu beginnen, obwohl der Drang zum Entleeren
besteht.
Unterbrochenes Wasserlassen: mehrere Versuche sind nötig, um die Blase zu
leeren
Das
Wasserlassen ist nur unter starkem Einsatz der Bauchmuskulatur möglich.
Häufiges Wasserlassen, unter Umständen im Abstand von wenigen Minuten,
sowohl tagsüber als auch nachts (Nykturie)
Plötzlicher starker Harndrang, verbunden unter Umständen mit unfreiwilligem
Abgehen von Harn (Harninkontinenz)
Nachtropfen von Harn nach dem Wasserlassen
Fortgeschrittenes Stadium:
Neben den genannten Beschwerden kommt es zur so genannten Restharnbildung: Die
Blase kann nicht mehr vollständig entleert werden und Urin bleibt zurück. Das
kann sich durch ein ständiges Völlegefühl der Blase mit andauerndem Harndrang
äußern. In diesem Stadium besteht zudem das Risiko, dass sich Krankheitskeime im
verbliebenen Urin ansammeln, was zu Harnwegsinfekten oder auch
Blasensteinbildung führen kann. Symptome hierfür können Schmerzen beim
Wasserlassen bis hin zu Fieber und Schüttelfrost sein. Spätestens dann muss
umgehend ein Arzt aufgesucht werden.
Endstadium: Im Endstadium der BPH kann der Harnrückstau in der
Blase so weit fortschreiten, dass sich der Urin auch in den Harnleitern, dem
Verbindungsweg zwischen Nieren und Blase, staut. Dann kommt es zu einem Urinstau
im Nierenbecken, was unter Umständen zu einer bleibenden Schädigung der Nieren
bis hin zum Nierenversagen führen kann. Ebenso kann vermehrt ein so genannter
Harnverhalt einsetzen. Dann ist der Betroffene nicht mehr in der Lage, auf
normalem Wege Wasser zu lassen. Die Folge ist eine sehr schmerzhafte Ausdehnung
der Blase, die schließlich zur Veränderung der Blasenmuskulatur führt. Eine
solche Harnsperre muss sofort von einem Arzt behandelt werden.
Diagnostik bei BPH
Tastuntersuchung: Zur Diagnostik einer BPH gehört insbesondere
eine rektale Untersuchung der Prostata. Dieser Tastbefund erlaubt jedoch keinen
Rückschluss auf die Abflussbehinderung selbst, denn auch eine geringfügige
Prostatavergrößerung kann eine erhebliche Abflussbehinderung verursachen und
umgekehrt.
Ultraschalluntersuchung (Sonografie): Sie wird entweder
transrektal durch den After oder im unteren Bauchbereich durchgeführt und zeigt
das Ausmaß einer Prostatavergrößerung.
Uroflow-Metrie (Harnflussmessung): Hierdurch lassen sich die
Beschwerden beim Wasserlassen objektivieren. Es wird die Harnmenge bestimmt, die
pro Sekunde entleert wird, wie stark der Harnstrahl ist und wie lange die
Entleerung der Blase dauert.
Untersuchung des Urins: Sie gibt Hinweise auf eventuelle
Harnwegsinfekte. Anzeichen hierfür sind Bakterien im Harn sowie rote und weiße
Blutkörperchen.
Blutuntersuchung: Dabei werden Substanzen wie Kreatinin und
Harnstoff überprüft, denn sie geben einen Hinweis auf eine möglicherweise
vorliegende Nierenschädigung.
Bestimmung des Prostataspezifischen Antigens (PSA-Wert): Ein
erhöhter PSA-Wert kann ein Hinweis auf eine Krebserkrankung, ein
Protsatakarzinom, sein. Allerdings kann der PSA-Wert sich auch bei einer BPH
grenzwertig erhöhen. Eine zusätzliche Gewebeuntersuchung sollte sich dann
anschließen, um einen Krebsverdacht auszuräumen.
Wie wird eine gutartige Vergrößerung der Prostata behandelt?
Im Anfangsstadium reicht zumeist eine medikamentöse Therapie mit pflanzlichen
Präparaten aus. Beispielsweise wirken Präparate aus Brennnesselwurzelextrakt,
Kürbissamen oder Sägepalmenfrüchten entzündungshemmend und lindern die Symptome.
Alpha-1-Rezeptorenblocker: Sie entspannen die Muskelzellen der
Prostata und den Widerstand am Blasenausgang, wodurch das Wasserlassen
verbessert wird. Das Medikament ist vorsichtig anzuwenden bei
Kreislaufschwierigkeiten und grünem Star.
5-Alpha-Reduktase-Hemmer: Ihr Wirkstoff hemmt das Wachstum der
Drüse, jedoch erst nach einer längeren Einnahme der Medikamente.
Wann ist eine Operation notwendig?
Ob das gewachsene Prostatagewebe operativ entfernt wird, damit der Harn wieder
frei abfließen kann, hängt insbesondere vom Ausmaß der Beschwerden ab. Bei
deutlicher Restharnbildung oder Vorliegen eines Harnverhaltes ist eine operative
Behandlung in aller Regel notwendig. Meist muss operiert werden bei:
wiederholtem Harnverhalt, häufigen Harnwegsinfekten, Blutung aus der Prostata,
Blasensteinen und Nierenschädigung.
Klassische Operationsverfahren:
Als bewährtes Standardverfahren gilt nach wie vor die transurethrale
Resektion der Prostata (TURP). Unter Betäubung wird ein dünnes Endoskop
durch die Harnröhre in die Blase eingeführt. Es enthält eine
Elektrodrahtschlinge, mit der das überschüssige Gewebe abgeschabt wird. In der
Regel wird diese Behandlung stationär durchgeführt, da Blutungs- und andere
Risiken bestehen. Der Eingriff erfolgt unter Vollnarkose oder
Rückenmarks-Anästhesie. In der Regel führt die TURP-Methode zu einem guten
Ergebnis. Nach einem sachgerecht durchgeführten Eingriff ist auch nach zehn
Jahren nur bei zehn bis 15 Prozent der behandelten Patienten eine erneute
Operation notwendig. Ganz ohne Risiken ist die Operation jedoch nicht. Während
des Eingriffs sind dies insbesondere Blutungen und Infektionen. Auch kann die
verwendete Spülflüssigkeit über eröffnete Gefäße in den Blutkreislauf gelangen.
Das kann zu einem Schock oder zu einem Lungenödem führen. Nach der Operation
können sich weitere Auswirkungen zeigen:
Retrograder (rückwärtiger) Samenerguss: Der Samen tritt nicht mehr durch die
Harnröhre nach außen, sondern wird in die Blase geleitet und beim nächsten
Urinieren entleert. Die Betroffenen können also keine Kinder mehr zeugen.
Etwa
ein Prozent der Patienten hat nach der Operation eine Harninkontinenz, weil
der Schließmuskel der Harnblase während der Operation geschädigt wurde.
Bei bis
zu zehn Prozent der Operierten tritt eine Harnröhrenverengung aufgrund von
Verwachsungen der Harnröhre auf. Chronische Harnwegsinfekte können die Folge
sein. Unter Umständen muss noch einmal operiert werden.
Minimalinvasive Operationsverfahren:
Mit Hitze gegen die Vergrößerung
Für die Behandlung einer BPH gibt es eine Reihe neuerer Verfahren, die das
überschüssige Prostatagewebe unter Zuhilfenahme von Hitze entfernen. Diese
ambulanten Verfahren sind schonender als die klassische Operation und werden
"minimal-invasiv" genannt. Denn die meisten der Methoden kommen ohne Vollnarkose
aus und bergen zudem weniger Komplikationen. Langzeitstudien fehlen zum Teil
jedoch noch und eine Sicherheit, ob die Verfahren auf Dauer genauso erfolgreich
sind wie die TURP-Operation, gibt es bislang nicht. Eventuell muss der Patient
innerhalb weniger Jahre noch einmal nachoperiert werden. Das kann dann erheblich
auf seine Kasse drücken, denn von den gesetzlichen Krankenkassen werden die
neuen Verfahren in aller Regel nicht bezahlt.
Transurethrale Nadelablation der Prostata (TUNA): Bei der
transurethralen (durch die Harnröhre) Nadelablation der Prostata wird eine Sonde
mit zwei dünnen Nadelelektroden in die Prostata eingeführt. Zwischen diesen
Nadeln fließt ein Hochfrequenzstrom, der zielgenau auf das überschüssige
Prostatagewebe gerichtet wird. Bei Temperaturen von 110°C wird das Gewebe zum
Schrumpfen gebracht, ohne dass die Harnröhrenschleimhaut und der Rest der
Prostata verletzt werden. Das behandelte Gewebe stirbt ab und wird von den
körpereigenen Fresszellen innerhalb von zwei bis sechs Wochen abgebaut.
Die TUNA-Therapie gilt als eine schonende Alternative zur TURP-Operation, wenn
nur eine begrenzte Entfernung von Gewebe erforderlich ist oder wenn andere
Erkrankungen den schwereren operativen Eingriff nicht zumutbar erscheinen
lassen. Sie wird ambulant durchgeführt und hat nur wenige Nebenwirkungen und
Komplikationen. Vorteile sind die narkosefreie Behandlung sowie das fehlende
Blutungsrisiko. Sowohl die Erektion als auch die Ejakulation bleiben in aller
Regel unbeeinträchtigt, Inkontinenzen treten nur sehr selten auf. Bis zu 20
Prozent der Patienten müssen allerdings im Laufe der nächsten fünf Jahre erneut
an der Prostata behandelt werden. Direkt nach der Operation kann es durch eine
Schwellung des Restgewebes zunächst zu einer Verschlechterung kommen, sodass ein
Blasenkatheter eingelegt und unter Umständen mehrere Tage bis Wochen getragen
werden muss. Ein Nachteil ist auch, dass eine Verbesserung der Symptome beim
Wasserlassen erst verzögert einsetzt, normalerweise etwa nach zwei bis sechs
Wochen.
Die Greenlight-Laser-Therapie ist die jüngste Entwicklung unter
den Hitzetherapien bei gutartiger Prostatavergrößerung. Dieser Spezial-Laser hat
im Gegensatz zu den bisherigen Lasersystemen eine Wellenlänge, die im
sichtbaren, grünen Bereich liegt. Diese Laserstrahlen werden optimal von
Blutgefäßen und blutreichem Gewebe aufgenommen. Durch die hohe Energie des
Lasers verdampft das bestrahlte Gewebe berührungslos und ohne Blutungen zu
verursachen. Mediziner sprechen hier von der "Photoselektiven Vaporisation der
Prostata (PVP)". Die Strahlung des PVP-Lasers dringt nur sehr oberflächlich in
die Prostata ein. Hierdurch werden stärkere, irritative Symptome vermieden und
eine schnellere Erholung des Patienten ermöglicht.
Entwickelt wurde das Verfahren an der Mayo-Klinik in Rochester/ USA. Hier wird
es seit etwa fünf Jahren erfolgreich angewendet. Dortige Studien sprechen für
eine gute Wirksamkeit des Greenlight-Lasers. Nebenwirkungen sind bislang nicht
bekannt, allerdings fehlen noch Langzeitstudien. Das Verfahren wird ambulant
ohne Vollnarkose durchgeführt und ist daher schonend. Ein Blutungsrisiko besteht
nicht, etwa sechs Prozent der Patienten verspüren nach dem Eingriff Schmerzen
beim Wasserlassen. Das Tragen eines Katheters kann nach dem Eingriff für 24 bis
48 Stunden notwendig werden. Inkontinenz oder Impotenzprobleme sind nicht zu
erwarten, selten kann es jedoch zu einer retrograden Ejakulation kommen.
In Deutschland sind es bislang nur einzelne Kliniken, die das Verfahren
anbieten. Unter anderem wird der Greenlight-Laser an der Heidelberger Klinik für
Prostata-Therapie und in der Urologischen Klinik der Universität München
eingesetzt, in Kürze auch im Westdeutschen Prostatazentrum in Köln. Einige
Privatkassen und Beihilfestellen übernehmen die Kosten ganz oder anteilig. Die
Kosten belaufen sich derzeit auf ca. € 3400,-.
Stand 2009
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