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Diagnostik im Schlaflabor
Aus der
Schlafforschung weiß man heute, dass nicht die Dauer, sondern die Qualität des
Schlafes entscheidend ist für die körperliche und seelische Erholung.
Schlafforscher gehen davon aus, dass fünf Stunden Tiefschlaf zur Regeneration
körperlicher und geistiger Funktionen ausreichend sind. Allerdings sollte der
Tiefschlaf vor 3.00 Uhr nachts beginnen, denn alle Körperfunktionen unterliegen
einem Rhythmus. Die Länge des täglich benötigten Schlafs hängt zudem vom Alter
ab. Nach dem 50. Lebensjahr sinkt das Schlafbedürfnis oft unter sechs Stunden
pro Tag. Treten Schlafstörungen auf, so können sie Symptom einer Erkrankung sein
oder ein eigenständiges Krankheitsbild darstellen. Der medizinische Ausdruck für
Schlaflosigkeit ist Insomnie.
Körperreaktionen bei gesundem und krankem Schlaf
Schlaf ist wichtig, er dient Körper und Geist als Erholungs- und Aufbauphase.
Atmung und Puls verringern sich, Blutdruck und Körpertemperatur sinken, der
Körper schaltet auf „stand-by“. Auch das Nervensystem ist während des Schlafens
vermindert erregbar. Langanhaltender Schlafmangel stört hingegen die natürliche
Regeneration des Körpers. Die Auswirkungen sind vielfältig: erhöhte
Tagesmüdigkeit mit einhergehendem Leistungsabfall, Konzentrationsschwäche,
erhöhte Reizbarkeit und Unruhe bis hin zu Depressionen sind typisch. Körperlich
wird vor allem das Immunsystem belastet und die Anfälligkeit für Krankheiten
erhöht sich.
Bei einer Schlaflaboruntersuchung würde man bei einem Menschen mit gesundem
Schlaf folgende Schlafphasen beobachten:
Eine Phase, die sich mit anderen, leichteren Schlafphasen abwechselt, ist der
Traumschlaf. Er wird aufgrund der auffallend starken
Augenbewegungen auch als REM-Phase (Rapid-Eye-Movement)
bezeichnet. Die Muskelspannung verschwindet fast völlig, Herzschlag, Blutdruck
und Atmung werden schneller und unregelmäßiger. Dies sind Hinweise auf eine
starke Aktivität des zentralen Nervensystems. Der Schläfer lässt sich in dieser
Phase leicht aufwecken und kann sich dann meist noch an seine Träume erinnern.
Die Traumphase ist die eigentliche Arbeitsphase für das Gedächtnis.
Ist dieses Stadium längere Zeit gestört, stellt sich zunächst Unbehangen und
schlechte Laune ein, später auch vegetative Folgen wie hoher Blutdruck,
unregelmäßiger Herzschlag oder schlechte Verdauung. Die Tiefschlafphasen
sind für die Erholung verantwortlich, auch wenn wir heute
wissen, dass auch im Tiefschlaf Gedächtnisverarbeitung stattfindet. Es erfolgt
eine große Entspannung der Muskulatur, Atmung und Herzschlag werden langsam, der
Blutdruck fällt ab und die Augen bewegen sich nicht. Daher wird diese
Schlafphase auch Non-REM-Phase (Non-rapid-eye-movement)
genannt. REM und Non-REM-Phasen wechseln sich ab und dauern zusammen ungefähr
ein bis eineinhalb Stunden, wobei die Anteile der jeweiligen Phasen sich im
Laufe des Schlafes verändern.
Schlafstörungen mit psychischen und organischen Ursachen
Ein gestörtes Schlafverhalten kann vielfältige Ursachen haben, die es
individuell zu erforschen gilt. Auslöser können neben Lärm, Stress, oder Störung
des Schlaf-Wach-Rhythmus auch psychische Störungen und körperliche Leiden sein,
wie z.B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder chronische Schmerzzustände. Aus diesem
Grunde sollte bei schweren Schlafstörungen auch immer eine eingehende
körperliche Untersuchung erfolgen.
Zu den organisch bedingten Schlafstörungen gehören u.a. die Schlafapnoe
und das Restless-Legs-Syndrom (Syndrom der unruhigen Beine).
Typisch für die Schlafapnoe sind Atempausen im Schlaf, lautes Schnarchen,
Bluthochdruck und vermehrte Tagesschläfrigkeit bzw. Zerschlagenheit am Tag. Das
Restless-Legs-Syndrom äußert sich in unangenehmen Missempfindungen in den
Beinen, verbunden mit einem Drang, die Beine zu bewegen. Teilweise kommt es zu
unwillkürlichen Zuckungen der Beine. Häufig tritt die Krankheit auch in
Kombination mit dem
Syndrom der Periodischen Bewegungen
im Schlaf auf, bei denen es zu wiederholten kurzen Zuckungen in Beinen oder
Armen kommt.
Eine eher seltene Schlafstörung, die auf eine neurologische Störung
zurückzuführen ist, ist die Narkolepsie. Die Betroffenen
erleiden hierbei teilweise mehrmals täglich unbezwingbare Schlafattacken. Von
einer Minute auf die andere fallen sie in Schlaf. Auch das Schlafwandeln
(Somnambulismus) kann zu den organisch bedingten Schlafstörungen
gezählt werden, obwohl die Ursachen bis heute nicht einwandfrei geklärt sind.
Untersuchungen weisen darauf hin, dass Schlafwandeln vererbt werden kann. Auch
eine Unreife des zentralen Nervensystems wird vermutet, die eine aus dem
Tiefschlaf erfolgende unvollständige Weckreaktion hervorruft: Die betroffene
Person verlässt nachts im Tiefschlaf mehr oder weniger regelmäßig das Bett und
irrt mit ausdruckslosem Gesicht umher. Am nächsten Morgen sind die nächtlichen
Aktivitäten dann vergessen (retrograde Amnesie). Das berühmte „auf dem Dach
stolzieren“ kann dabei zwar durchaus auftreten, ist jedoch nicht der Regelfall,
aber in jedem Fall sehr gefährlich: Schlafwandler haben in keiner Weise einen
besonderen Schutzengel !!. Das Schlafwandeln findet meistens im ersten Drittel
der Nacht statt und kann bis zu einer halben Stunde andauern. Meist sind es
Kinder und nur selten Erwachsene, die unter Somnambulismus leiden. Schlafwandeln
tritt häufig auch bei emotionalen Belastungen, Stress und Übermüdung auf.
Diagnostik von Schlafstörungen
Bei schweren Schlafstörungen ist eine diagnostische Abklärung notwendig.
Spezialisierte Klinische Psychologen und Ärzte führen zunächst ein ausführliches
Gespräch und lassen Fragebögen zum individuellen Schlafverhalten, zu den
Schlafbeschwerden und zum Tagesablauf ausfüllen. Das Protokollieren in so
genannten Schlaftagebüchern und medizinische Untersuchungen für organische
Ursachen der Schlafstörungen vervollständigen die Diagnostik. Gegebenenfalls
wird ein Aufenthalt in einem Schlaflabor notwendig. Dort wird durch Messung der
Gehirnströme, der Augenbewegungen und der Muskelanspannung sowie der Atmung, der
arteriellen Sauerstoffsättigung und des EKG und – per Video - anhand einer
Schlafbeobachtung festgestellt, ob organische Störungen (z.B. in der Atmung)
vorliegen sowie eine Analyse des objektiven Ausmaßes der Schlafstörung
vorgenommen (z.B. Schlafdauer, -kontinuität und -tiefe).
Was passiert in einem Schlaflabor?
Im Schlaflabor werden mittels eines Polygraphen (poly: viel, graph: Aufschreiber)
spezielle Ableitungen und Untersuchungen beim Patienten durchgeführt, die in der
Regel über zwei Nächte gehen. Im Vorfeld stehen eine Befragung des Patienten zu
seinen Schlafstörungen sowie Voruntersuchungen zur Abgrenzung anderer
Erkrankungen. Laborwerte, EKG, Röntgenaufnahme des Thorax und eine Untersuchung
der Lungenfunktion gehören routinemäßig dazu. Die klinische Untersuchung eines
Schlafgestörten während der Nacht wird als “Polysomnographie” oder auch „Somnopolygraphie“
(somnia lat.: der Schlaf) bezeichnet. Die hierbei durchgeführten Ableitungen,
die mittels eines Computers am Folgetag ausgewertet werden, umfassen sowohl
Messungen des Schlafverlaufs, der Schlaftiefe und Schlafqualität, als auch
Messungen von verschiedenen körperlichen Signalen.
Für die Ableitungen werden dem Patienten kleine Elektroden an unterschiedlichen
Kopf- und Körperstellen angebracht. Die Elektroden werden dabei so befestigt,
dass der Betroffene sich damit normal im Bett bewegen kann. Da die Haut sich
schnell an die Elektroden gewöhnt, werden sie schon nach kurzer Zeit nicht mehr
wahrgenommen, so dass trotz „Verkabelung“ ein weitgehend normaler Schlaf möglich
ist. Die erste Nacht im Schlaflabor stellt aber in der Regel eine Adaptionsnacht
dar, bei der der Schlafgestörte sich an die Verkabelung und die ungewohnte
Umgebung gewöhnen soll. Die ganze Nacht wird mit einer Infrarotkamera auf Video
aufgezeichnet. Folgende Ableitungen werden bei einer Polysomnographie
standardmäßig vorgenommen:
Mittels zweier EEG's (Elektroenzephalographie) werden die Hirnströme des
Schlafenden gemessen. Zwei EOG's (Elekrtookulogramm) zeichnen die
Augenbewegungen auf. Eine Elektrode am Kinn (EMG Elektromyogramm) registriert
Bewegungen des Kaumuskels. Mit Hilfe dieser Ableitungen kann ein vollständiges
Schlafprofil der Schlafstadien erstellt werden bzw. festgestellt werden, ob der
Patient überhaupt geschlafen hat. Durch Atemflusssensoren über beiden
Nasenlöchern und dem Mund, durch Gurte, die Brust- und Bauchhebungen bzw. –senkungen
feststellen, durch ein Pulsoximeter am Finger, das den Sauerstoffgehalt des
Blutes misst sowie durch ein Schnarchmikrofon wird die Atmung beurteilt. Zwei
EMG-Ableitungen an den Unterschenkeln dienen zudem zum Nachweis von vermehrten
Beinbewegungen. Zusätzliche
Informationen z.B. über die Herzaktion können durch ein EKG (Elektrokardiogramm)
gewonnen werden. Je nach Bedarf können auch nächtliche Erektionen (Phallographie),
motorische Aktivitäten (Motilitätsmessung) oder der elektrische Widerstand der
Haut (Elektrodermographie) gemessen werden. Bei CPAP oder BIPAP-Beatmungen
(Überdruck-Beatmung) kann der Beatmungsdruck in Echtzeit kontrolliert und
registriert werden.
Stand 2009
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