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Schlafstörungen

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Schlafstörung bezeichnet als Oberbegriff alle "krankhaften" Veränderungen des Schlafverhaltens bzw. Schlaferlebens. Eine Schlafstörung bildet ein eigenständiges Krankheitsbild, wenn die Schlafprobleme unabhängig von einer körperlichen oder psychischen Erkrankung auftreten. In diesem Fall wird auch von einer psychophysischen Insomnie oder primären Insomnie gesprochen. Solche Schlafstörungen hängen oft eng mit persönlichen, körperlichen, familiären oder beruflichen Problemen zusammen. Nächtliches Grübeln bzw. Nicht-Abschalten-Können und innere Anspannung hindern die Betroffenen an einem erholsamen Schlaf und führen zu Müdigkeit und beeinträchtigten die Leistungsfähigkeit am nächsten Tag. Bestehen die Schlafprobleme über eine längere Zeit, kann ein Teufelskreis entstehen, in dem die Schlafstörungen sich verselbständigen. Grund für die Schlafstörung sind dann oft nicht mehr der Stress und die Sorgen, die die Störung einmal auslösten, sondern das gestörte Schlafverhalten selbst. Bei vielen chronischen Schlafstörungen tritt eine solche Verselbständigung schon innerhalb der ersten Wochen auf und dauert dann oft jahrelang.

Wie kommt es zur Verselbständigung?

Die Verselbständigung einer Schlafstörung setzt sich aus verschiedenen psychologischen und körperlichen Faktoren zusammen. Typisch ist, das Betroffene schon tagsüber daran denken, wie wohl die kommende Nacht wird und wie der nächste Tag durchgestanden werden kann. Die Angst vor dem Zubettgehen ist oft die Folge. Manche Betroffenen gehen darum auch „zu früh“ ins Bett, um ja genügend Schlaf zu bekommen, aber oft ohne die nötige Bettschwere. Das wiederum fördert die Grübelei im Bett und die zwecklosen Forderungen an sich selbst, schlafen zu müssen. Damit bewirken sie oft das Gegenteil: Es kommt zu einem körperlichen Erregungsanstieg und Wachheit in der Folge. Am Ende dieser Reaktionskette steht eine erneute Schlaflosigkeit. Die Annahme, dass mit der Lösung der hinter einer Schlafstörung stehenden Probleme auch das Schlafproblem selbst gelöst ist, ist daher häufig falsch. Chronifizierte Schlafprobleme entwickeln über den Teufelskreis der Erwartungsangst eine Eigendynamik, die meist auch nach dem Beheben der Ursachen unverändert weiterbesteht.

Behandlungsmaßnahmen - medikamentös oder psychotherapeutisch?

Um die Verselbständigung einer Schlafstörung zu stoppen und wieder zu einem erholsamen Schlaf zurückzufinden, ist gerade bei einer primären Insomnie eine psychotherapeutische Behandlung, z.B. in Form einer Verhaltenstherapie, ratsam - nicht zuletzt, weil befriedigende medikamentöse Therapien nicht existieren. Medikamentöse Maßnahmen sind lediglich im Sinne einer Krisenintervention und auch dann nur für einen kurzen Zeitraum gerechtfertigt. Denn Schlafmittel weisen häufig Nebenwirkungen auf und bei einigen Medikamenten besteht die Gefahr einer Abhängigkeit. Zudem werden die Ursachen der Schlafstörung verschleiert und der Druck, etwas für deren Bewältigung zu tun, verringert.

Mögliche Therapieansätze aus der Verhaltenstherapie

Neben einem ausführlichen psycho-edukativem Arbeiten im Sinne der Verbesserung der so genannten Schlafhygiene und der Korrektur von weitverbreiteten irrigen Annahmen über den Schlaf, findet vor allem die konsequente Anwendung von Lernprinzipien für schlafbegünstigendes Verhalten Anwendung. So bedeutet z.B. Stimulus-Kontrolle, dass der Schlafgestörte eine positive Vorstellung von seiner Schlafumgebung mit Ruhe und Entspannung erhält. Fernseher, Computer und Telefon gehören daher nicht ins Schlafzimmer, genauso wenig wie berufliche Unterlagen. Essen im Bett sollte ebenfalls vermieden werden. Wenn es dem Schlafgestörten nicht gelingt, innerhalb von 30 Minuten einzuschlafen, sollte er wieder aufstehen und das Schlafzimmer verlassen, bis er sich müde genug fühlt (Aufbau von Schlafdruck). Auf diese Weise können Nervosität, Angst oder Ärger über das ungewollte Wachsein wieder abgebaut werden. Eine Weiterentwicklung dieser therapeutischen Ansätze und eine der derzeit effektivsten Behandlungsmaßnahmen bei verselbständigten Schlafstörungen stellt die

Schlafrestriktionstherapie (Schlafverkürzung)

dar. Neben einer ausführlichen Aufklärung über die Gesetzmäßigkeiten des normalen und gestörten Schlafes wird dem primär Schlafgestörten (Insomniker) eine konsequente Verkürzung der Schlafzeit auferlegt. Dadurch soll erreicht werden, dass die Zeit, die er im Bett verbringt, auch zugleich Schlafzeit ist. Gerade das ist bei den meisten Betroffenen oftmals seit Jahren nicht mehr der Fall, da sie aufgrund ihrer übertriebenen Ängste vor gesundheitsschädlichen Folgen des Schlafmangels häufig die fatale Strategie anwenden, viel zu früh ins Bett zu gehen und dann häufig über Stunden wach liegen.

Schlafrestriktion - Weniger ist Mehr!

Bei der Schlafrestriktion wird der Schlaf in einem mehrwöchigen Gruppenprogramm unter Anleitung von Therapeuten systematisch mittels eines „Schlaffensters“ verkürzt. Die individuellen Bettzeiten werden dabei der tatsächlichen Schlafzeit weitgehend angenähert. Durch die zunächst sehr geringen Schlafzeiten (ca. fünf Stunden) nimmt gerade in der Anfangsphase die Müdigkeit und Zerschlagenheit am Tage erheblich zu. Diese Zunahme des „Schlaf­drucks“ führt dazu, dass die Ein- und Durchschlaffähigkeit sich auf Dauer sich wieder normalisiert. Es ist daher besonders wichtig, dass der Patient gerade in den ersten Wochen nicht von seinem Schlaffenster abweicht, indem er sich z.B. tagsüber hinlegt, früher zu Bett geht oder am Morgen länger liegen bleibt.

Über die reine Schlafrestriktion hinaus werden während der Gruppentreffen Maßnahmen geplant, die vor allem auf die Stabilisierung des Schlaf-Wach-Rhythmus abzielen. Die Patienten werden über die natürliche Schlafphysiologie und eine richtige Schlafhygiene aufgeklärt. Außerdem gehört der Aufbau von Aktivitäten zum festen Bestandteil der Therapiemethode, da schlafgestörte Patienten häufig über Jahre lediglich auf „Sparflamme“ gelebt haben. Oft sollen die Patienten auch für ihre abendlichen Aktivitäten einen Stundenplan entwerfen, damit kritische Aktivitäten vermieden werden. Ziel der Schlafrestriktion ist es zunächst, eine individuelle kontinuierliche Schlafdauer zwischen fünf bis sechs zu ermöglichen. Im Anschluss an die Therapie kann der Patient diese langsam im Alleingang bis zu einer Liegezeit von sieben Stunden weiter ausbauen.

Stand Mai 2008

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