|
|
Zurück zur Themenübersicht |
Schuppenflechte
Die
Schuppenflechte, im Fachausdruck Psoriasis genannt, ist eine
immunologisch-entzündliche Hauterkrankung. An ihr leiden in Deutschland
Schätzungen zufolge etwa zwei Millionen Menschen. Damit gehört sie zu den
häufigsten Hautkrankheiten. Die Krankheit verläuft meist chronisch und kann in
Zeitabständen immer wieder ausbrechen. Typische Merkmale einer Schuppenflechte
sind scharf begrenzte, rote, teils juckende, erhabene und mit silberweißen
Schuppen bedeckte Stellen, sog. Plaques. Diese kommen besonders an Ellenbogen,
Knien, am Kreuzbein und am behaarten Kopf vor. Neue Forschungsergebnisse weisen
darauf hin, dass die Psoriasis eine Autoimmunerkrankung ist: Der
Hauterneuerungsprozess wird durch den Angriff des körpereigenen Immunsystems
beschleunigt und gesteigert. Das heißt: Die Haut eines gesunden Menschen
erneuert sich normalerweise innerhalb von ca. 26-27 Tagen. Beim Psoriatiker ist
diese Zeitspanne auf sechs bis sieben Tage verkürzt. Die Zellen der obersten
Hautschicht (der Epidermis) gelangen also siebenmal schneller an die
Hautoberfläche und bilden dort die typische silbrig-weiße Schuppenschicht.
Ursachen der Schuppenflechte
Die Vererbung gilt als Hauptursache für die Entstehung der Schuppenflechte.
So sind bei etwa 30-40 Prozent der Patienten weitere Krankheitsfälle in der
Verwandtschaft bekannt. Die Psoriasis ist nicht ansteckend, auch wenn das von
vielen befürchtet wird. Neben der Vererbung gibt es noch weitere Faktoren, die
als Auslöser bzw. Risikofaktoren gelten. Hierzu gehören:
Rauchen
Übergewicht
Alkohol
Stress
Stoffwechselstörungen
bestimmte Medikamente wie Betablocker, ACE-Hemmer, Malariamittel oder
kortisonfreie Antirheumatika
hormonelle Faktoren und äußere Faktoren wie Druck oder Verletzungen.
Erscheinungsformen der Psoriasis
Psoriasis vulgaris: Die gewöhnliche Schuppenflechte
macht etwa 85 Prozent der Krankheitsfälle aus. Die kleinen bis Handteller
großen, entzündlich geröteten Herde treten meist auf Kopf, Ellenbogen und
Kniescheiben auf. Ebenfalls sind häufig das Gesäß, die Brust und der Rücken
betroffen. Die Plaques schuppen sich kontinuierlich und verursachen Juckreiz.
Der Verlauf und die Intensität der Erkrankung ist unterschiedlich.
Psoriasis pustulosa: Hier kommt es auf den geröteten
Herden zu keimfreien Eiterbläschen. Sie macht weniger als fünf Prozent der
Krankheitsfälle aus. In der Regel sind Fußsohlen und Handinnenflächen betroffen.
Diese Erkrankung tritt häufig bei Frauen auf. Die Psoriasis pustulosa breitet
sich im schlimmsten Fall auf den ganzen Körper aus und kann lebensbedrohlich
sein und die Hautfunktion schwer schädigen.
Psoriasis-Arthritis: Diese ist eine rheumatische Form der
Psoriasis. Hier befällt die Erkrankung die Gelenke. Es kommt zu schmerzhaften
Schwellungen und Bewegungseinschränkungen. Sehr häufig tritt auch ein
Nagelbefall auf und es kann zu Entzündungen der Bindehaut und Iris kommen. Die
häufigste Form der Psoriasis-Arthritis ist der "distale" Typ. Hier liegen
asymmetrische Schwellungen der Zehen- oder Fingergelenke vor.
Diagnose der Schuppenflechte – Psoriasis vulgaris
Typische Diagnosezeichen einer Schuppenflechte sind das "Kerzenfleckphänomen“,
das "Phänomen des letzten Häutchens" und der "blutige Tau". Wird an dem Plaques
gekratzt, hellt sich die Schuppenschicht an der Kratzspur auf wie bei einem
Kerzenwachsfleck. Werden die Schuppen entfernt, kommt ein glänzendes "letztes
Häutchen" zum Vorschein. Kratzt man weiter, kommt es zu punktförmigen Blutungen,
dem blutigen Tau. Bestehen dann immer noch Zweifel, wird eine Hautprobe
(Biopsie) entnommen und histologisch untersucht.
Psoriasis - welche Therapien gibt es?
Da die Psoriasis vulgaris bei jedem sehr unterschiedlich verläuft, werden die
Therapien dem Patienten individuell angepasst. Hinzu kommt, dass jeder
Betroffene „seine“ Therapie finden muss, die ihm am besten hilft: Von Salben mit
verschiedensten Wirkstoffen über Lichttherapien bis zur Antikörper-Therapie.
Tatsache ist: Es können immer nur die Symptome behandelt werden, eine Heilung
der Psoriasis ist bis jetzt nicht möglich.
Salben und Lotionen - die topische (lokale) Therapie:
Bei dieser Therapie werden die eingesetzten Wirkstoffe äußerlich in Form von
Cremes, Salben, Lotionen, Lösungen, Schaum- und Gelprodukten auf die Haut
aufgetragen. Zusätzlich gibt es noch Badezusätze und Shampoos. Bei einem akuten
Schub wird zunächst die dicke Hornschicht durch schuppenaufweichende Medikamente
wie Salbenverbänden mit Wirkstoffen wie Salizylsäure, Harnstoff oder Milchsäure
beseitigt. Die darauffolgenden Wirkstoffe gelangen so besser an ihren
Wirkungsort, den lebenden Hautzellen.
Es wird dann mit Vitamin-D- oder Kortisonpräparaten therapiert. Sie
wirken relativ schnell, und sind in der Handhabung einfach. Auch Salben mit dem
Wirkstoff Dithranol, welcher
übermäßiges Zellwachstum und Entzündungen hemmt, werden eingesetzt.
Die systemische Therapie: Bei dieser Therapie werden die
Medikamente eingenommen und wirken von innen. Retinoide sind Substanzen, die in
den Verhornungsprozess eingreifen, indem sie Wachstum und Differenzierung von
Haut- und Schleimhautzellen normalisieren. Die Behandlung mit Retinoiden ist
nicht unproblematisch, da die Substanzen fruchtschädigend wirken. Die Anwendung
bei Frauen im gebärfähigen Alter darf daher nur bei dringender Indikation und
nach Ausschluss einer Schwangerschaft angewendet werden. Ebenfalls gut wirksam
und in schweren Fällen angewendet ist eine Therapie mit den Wirkstoffen
Methotrexat, Ciclosporin oder Fumarsäureester. Methotrexat gehört zur
Basis-Therapie von Psoriasis-Arthritis, um die Gelenkzerstörung aufzuhalten und
spätere Behinderungen zu vermeiden. Alle Medikamente können aber zu schweren
Nebenwirkungen führen und eignen sich weniger als Dauertherapie.
Lichttherapien: Es gibt verschiedene Formen der Lichttherapien.
Eine Lichttherapie ist am erfolgreichsten bei regelmäßiger Bestrahlung und
sollten nur unter Aufsicht eines Arztes durchgeführt werden.
Therapie mit UVB-Licht: Bei dieser Therapie wird die
Haut künstlichen UV-Strahlen ausgesetzt. Über einem Zeitraum von meist vier
Wochen wird die Haut drei bis fünfmal bestrahlt. Neue Geräte erzeugen
Schmalband-Licht mit einer Wellenlänge, die für die Behandlung der Psoriasis
besonders geeignet ist. Es werden zwar in kurzer Zeit längerandauernde
Remissionen erreicht, aber das Risiko von Hautverbrennungen ist größer.
Die PUVA-Therapie: Unter PUVA versteht man eine Photochemische
Therapie. Bei der PUV-A-Therapie wird mit UVA Strahlung gearbeitet. Der Name
setzt sich aus beiden Bestandteilen der Behandlung zusammen. Psoralen (Lichtsensibilator)
und UVA. Die Haut wird hier mit einer photosensibilisierenden Substanz, Psoralen
in Form von Salben oder Tabletten, vorbehandelt und anschließend mit UVA-Licht
bestrahlt. Die Körperzellen werden für das Licht einer bestimmten Wellenlänger
sensibilisiert. Effekt der Therapie ist, dass die übermäßige Zellteilung gehemmt
wird. Psoralen-Produkte in äußerlicher Anwendung werden entweder direkt auf die
betroffenen Stellen aufgetragen oder der Patient badet in psoralenhaltigem
Wasser. Der Wirkstoff verstärkt die UV-Wirkung so massiv, dass mit wesentlich
geringeren UV-A-Dosen gearbeitet werden kann. Dies ist im Hinblick auf
Hautschäden und die mögliche Hautkrebsgefahr von großer Bedeutung.
Neue Therapieansätze – Biologika: Eine neue Medikamentengruppe,
so genannte Biologika, sind Wirkstoffe, die in die
Kommunikation der Zellen des Immunsystems eingreifen. Diese Arzneimittel sind
meist gentechnisch hergestellt und mit körpereigenen Biomolekülen weitgehend
identisch. Es sind künstliche Eiweiße und Antikörper, die die Schlüsseleiweiße
der Hautentzündung blockieren sollen. So wird versucht, die krankmachenden
T-Zellen entweder zu zerstören, ihre Aktivität zu hemmen oder ihre Wirkung als
Entzündungsvermittler zu neutralisieren.
Alefacept - ein künstliches Eiweiß gegen Psoriasis vulgaris:
Die Psoriasis gilt als T-Zell vermittelte Autoimmunerkrankung, die von
fehlgeleiteten T-Lymphozyten ausgelöst wird. Alefacept, ein gentechnisch
hergestelltes Eiweiß, greift die T-Lymphozyten in der Haut an und reduziert
deren Anteil. Das übrige Immunsystem bleibt unbeeinträchtigt. Der Wirkstoff wird
zwölf Wochen einmal wöchentlich intramuskulär oder intravenös gespritzt. Eine
Besserung des Hautbefundes tritt bereits während der Behandlung ein und setzt
sich auch nach Beendigung weiter fort. In verschiedenen Studien waren Patienten
nach einer solchen Behandlung mehrere Monate beschwerdefrei. Bei der
Durchführung einer zweiten 12-Wochen-Therapie konnte das Ergebnis noch weiter
verbessert werden. Alefacept ist gut verträglich, nur zwei Prozent der
Studienteilnehmer litt unter Nebenwirkungen. Hauptsächlich klagten die Patienten
über Kopfschmerzen. Bei wiederholten Therapie-Zyklen steigt die Verträglichkeit
und die Nebenwirkungen werden weniger.
In den USA ist Alefacept bereits seit Januar 2003 für die Behandlung von
Psoriasis vulgaris zugelassen. In Deutschland steht eine Zulassung noch aus.
Es gibt jedoch Sicherheitsbedenken gegen das Medikament, das Allergien,
Immunschwächen und möglicherweise auch Tumoren auslösen kann. Die europäische
Zulassungsbehörde EMEA hat die Zulassung deshalb bisher abgelehnt.Allerdings
kann der Patient sich die Notwendigkeit einer Behandlung mit Alefacept
bescheinigen lassen und die Kosten bei der Krankenkasse einreichen. Alefacept
wird dann aus den USA importiert.
Biologika bei der Psoriasis-Arthritis: Der Wirkstoff
Etanercept ist bereits in Deutschland für die Behandlung der
Psoriasis-Arthritis zugelassen. Hier wird das Zytokin TNF-a gehemmt. Dieser
Stoff spielt eine Rolle als Entzündungmediator bei der Gelenkentzündung.
Etanercept wird unter die Haut gespritzt und hat in Studien bei mehr als der
Hälfte der Patienten nach fünf Monaten eine deutliche Besserung bewirkt.
Allerdings wurden auch Nebenwirkungen festgestellt. Es kam häufiger zu
Atemwegsinfekten, Störungen der Blutbildung und zu Schäden des zentralen
Nervensystems.
Antikörper-Therapie gegen Plaques-Psoriasis: Kurz vor
der Zulassung zur Behandlung von mittelschwerer bis schwerer Plaques-Psoriasis
ist der monoklonaler Antikörper Efalizumab. Er soll die Wanderung von
Entzündungszellen blockieren. Efalizumab richtet sich gegen Adhäsionsmoleküle
und soll die Auswanderung von Entzündungszellen in die Haut verhindern. Die
Antikörper verhindern außerdem die Aktivierung von T-Zellen in der Haut und die
Ausschüttung von Zytokinen, die ebenfalls eine Entzündungsreaktion fördern. So
soll die der Psoriasis zugrunde liegende Entzündung reduziert werden. In Studien
wurde der Antikörper getestet und es kam zu einer deutlichen Verbesserung bei
den Patienten. Als Nebenwirkungen wurden meist grippeähnliche Symptome
festgestellt, leichtes Fieber und Muskelschmerzen. Meist verschwanden diese
Nebenwirkungen nach der zweiten Injektion. Die Durchführung für den Patienten
ist einfach. Er kann sich das Medikament einmal wöchentlich selbst zu Hause
spritzen.
Die richtige Pflege - auch in der beschwerdefreien Zeit
Eine individuell abgestimmte Hautpflege ist auch in der beschwerdefreien
Zeit wichtig. Hautpflegeprodukte helfen nicht nur die gestörte Barrierefunktion
der Haut wiederherzustellen sondern dienen auch dazu, das Auftreten neuer Herde
durch Reizerscheinungen wie Austrocknung zu verhindern. Ein gute Hautpflege
erhöht auch die Wirksamkeit der Therapie. Zwar leidet die Haut aller
Schuppenflechtenpatienten unter Feuchtigkeitsmangel, aber dennoch wird zwischen
fettigerem und fettarmen Hauttyp unterschieden. Bei fettiger Haut werden eher
Cremes und Lotionen verwendet, die einen niedrigeren Fettgehalt haben als
Salben, die sich für trockene Haut eignen.
Neutrale Waschemulsionen mit rückfettenden Substanzen werden zum Waschen
verwendet. Inhaltsstoffe wie Harnstoff, Glyzerin, Hyaluronsäure, Vitamin E oder
Kollagen sind gut geeignet. Ölbäder und rückfettende Waschzusätze machen die
Haut wieder geschmeidig. Um Provokationen neuer Herde zu vermeiden, sollte die
Haut nach dem Waschen nur vorsichtig trocken getupft werden. Und, auf lange
Bäder und heißes Wasser sollten verzichtet werden. Weitere Maßnahmen, um einen
Krankheitsausbruch zu verhindern, sind begrenzt. Es sollten vor allem
Risikofaktoren wie Übergewicht, Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum vorgebeugt
werden. Vor allem dann, wenn bereits eine familiäre Vorbelastung vorhanden ist.
Ernährung bei Psoriasis
Inwieweit Ernährung die Krankheit provoziert oder lindert ist individuell
sehr unterschiedlich und der Betroffene muss selbst herausfinden, was ihm gut
tut und was nicht. Als relativ gesichert ist der positive Effekt von
Omega-3-Fettsäuren. Das sind mehrfach ungesättigte Fettsäuren, die hauptsächlich
in fettem Seefisch enthalten sind.
Stand 2009
|
|
Zurück zur Themenübersicht |