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Krankhaftes Schwitzen

Jeder Mensch schwitzt, das ist ganz normal. Aber viele - man schätzt etwa fünf Millionen Deutsche - schwitzen zu viel. Wer viel schwitzt, gilt bei seinen Mitmenschen als unangenehm und nicht gesellschaftsfähig. Häufig wird er sogar gemieden. Das zu erleben, führt bei Betroffenen zu erhöhtem seelischen Stress und als Reaktion schwitzt man gleich noch mal soviel. Häufig ist Schwitzen gepaart mit einem unangenehmen Geruch. Der entsteht, wenn Schweiß sich durch den Sauerstoff in der Luft chemisch zu zersetzt. Schnell entsteht der Verdacht, mangelnde Hygiene des Betroffenen sei schuld. Der psychische Druck wird immer größer und je länger dieses Symptom anhält, desto größer wird die Scham. Die Folge: der Betroffene zieht sich aus dem gesellschaftlichem Leben zurück und läuft Gefahr, zu vereinsamen. Die wenigsten von ihnen aber wissen, dass krankhaftes Schwitzen Ursachen hat und nicht selten sogar organische Erkrankungen dem Schwitzen zugrunde liegen können.

Funktion des Schweißes

Schwitzen ist unser natürliches Kühlsystem. Durch die Verdunstungskälte auf der Haut hält der Körper seine innere Körpertemperatur konstant um 36° Celsius aufrecht. Schweiß wird von über zwei Millionen winzigen Schweißdrüsen produziert, die über die gesamte Körperfläche verteilt sind und besteht im wesentlichen aus Wasser, vorwiegend Kochsalz und Stoffwechselprodukten wie Harnstoff, Harnsäure, Ammoniak und Fettsäuren. Überall da, wo die Schweißdrüsen besonders dicht sitzen, zum Beispiel in den Handflächen, an den Fußsohlen oder in der Achselhöhle, rinnt der Schweiß besonders stark. Denn hier befinden auf jedem Quadratzentimeter etwa 350-700 Schweißdrüsen. Selbst bei völliger Körperruhe sondern ständig die Drüsen –für uns unmerklich - Schweiß ab. Die hierbei abgegebene Flüssigkeitsmenge beträgt innerhalb von 24 Stunden ca. einen halben Liter. An warmen Sommertagen, ebenso beim Sport und bei anstrengender körperlicher Arbeit sind es bis zu fünf Litern täglich.

Krankhaftes Schwitzen

Zwischen normalem und krankhaftem Schwitzen zu unterscheiden, ist gar nicht so einfach. Während der eine sich auch bei der größten Hitze nur ab und zu die Stirn abtupfen muss, braucht der andere schon bei Temperaturen um die 25 Grad alle paar Stunden ein frisches Hemd. Bei gut trainierten Sportlern, wird eine starke Schweißproduktion bei Hitze und Anstrengung noch als natürliche Anpassung angesehen. Viel unangenehmer ist es, wenn dagegen eine Stress-Situationen den Schweiß auf die Stirn treibt. Aus diesem Grunde ist die Einstufung „krankhaftes“ Schwitzen oft eine Frage der persönlichen Empfindung des Betroffenen. Medizinisch gesehen spricht man von krankhaftem Schwitzen hauptsächlich dann, wenn das vegetative Nervensystem übersensibel auf unterschiedliche Reize, wie z.B. körperliche Anstrengung, scharf gewürzte Speisen oder seelische Belastungen reagiert - oder sogar völlig ohne äußeren Anlass plötzlich auftritt.

Formen des Schwitzens

Um das Schwitzen genauer einteilen zu können, unterscheidet man zwischen den verschiedenen Formen des Schwitzens:

Körperliche Ursachen

In den Wechseljahren der Frau (und des Mannes) können sich aufgrund hormoneller Umstellungen des Körpers Hitzewallungen mit Schweißausbrüchen einstellen, gepaart mit anderen Beschwerden wie Depressionen und Schlafstörungen. Ursache ist, das die Hypophyse den Hormonmangel durch mehr Aktivität, das heißt durch vermehrte Hormonausschüttung, ausgleichen will. Da das Temperaturzentrum im selben Bereich des Gehirns liegt, wird es dadurch unmittelbar mit beeinflusst. Weitere Ursachen für vermehrtes Schwitzen können sein: Schilddrüsenerkrankungen, z.B. bei einer Überfunktion der Schilddrüse, Diabetes, Nierenleiden, Erkrankungen des Lymphsystems, Eiweißmangel, Störungen des Mineralstoffwechsels, Kreislaufschwäche, Herzinfarkt und Infektionskrankheiten.

Allgemeine Maßnahmen - was kann man selber tun ?

Tragen Sie luftige Kleidung, aus Naturfasern, wie Wolle, Baumwolle, Leinen oder Viskose und tragen Sie Schuhe aus echtem Leder. Vermeiden Sie Stress und schränken Sie Genussgifte ein, wie Kaffee, Alkohol und Nikotin. Meiden Sie scharfe Gewürze. Wichtig ist auch, dass Sie häufig die Wäsche wechseln und achten Sie auf die Körperhygiene. Benutzen Sie geeignete Deodorantien und Syndets. Streuen Sie Puder in Schuhe und Strümpfe, dass bindet etwas die Feuchtigkeit.

Äußerliche Therapie durch lokal anzuwendende Präparate

Es gibt die Möglichkeit einer zeitlich begrenzte Anwendung von Antihydrotika, Produkte mit schweißhemmenden Wirkstoffen wie Adstringentien (Gerbstoffen) und Metallsalzen. Die gibt es in Form von Salben oder Puder und werden auf besonders belasteten Hautstellen, wie Hand- und Fußflächen aufgetragen. Natürliche Heilmittel gegen das Schwitzen zielen darauf ab, die überschießende Reaktion des Nervensystems zu dämpfen. Außerdem gibt es pflanzliche Arzneistoffe, die die Schweißproduktion mildern können, wie z.B.:

Physikalische Behandlung durch Leitungswasser-Iontophorese

Hier handelt es sich um eine Reizstromtherapie (Leitungswasser-Iontophorese), bei der Hände und Füße in ein Wasserbad gehalten werden, durch das ein schwacher elektrischer Strom geleitet wird. Nach etwa 10-15 Behandlungen ist der Status eines normalen Schwitzens erreicht. Die Wirkung dieser Methode gilt als gesichert und konnte durch zahlreiche Untersuchungen bestätigt werden, ist aber nur auf lokales Schwitzen an Händen oder Füßen anwendbar.

Chirurgische Eingriffe

Nur bei übermäßigem Achselschweiß: Hier werden einzelne stark produzierende Drüsen ganz entfernt oder teilweise abgetragen. Früher wurden ganze Nervenstränge durchtrennt. Diese Methode wird (bzw. sollte) heute aufgrund der massiven Nebenwirkungen nicht mehr durchgeführt werden.

Stand 2009

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