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Stress im Alltag
Hektik und
Chaos rund um die Uhr. Ärger im Beruf, Druck zu Hause, Millionen Umweltreize
stürmen auf den Menschen ein. Die Anspannungen des Lebens steigen – allgemein
unter dem Begriff „Stress“ bekannt. Stress ist schon lange nicht mehr eine
isolierte Erscheinung von Managern. Längst hat er alle Bevölkerungsschichten
erreicht: Kinder und Jugendliche leiden unter Schulstress. Ärzte warnen davor,
dass jedes dritte Kind in Deutschland durch Stress gesundheitsgefährdet ist.
Erwachsene klagen über Leistungsdruck, Paare leiden unter Beziehungsstress und
Freizeitstress ist bereits eine Modeerscheinung. Inzwischen ist bekannt:
Dauerstress kann gravierende gesundheitliche Folgen haben. Die
Weltgesundheitsorganisation WHO hat Stress inzwischen sogar zur größten
Gesundheitsgefahr für das 21. Jahrhundert erklärt.
Was ist Stress?
Der Begriff "Stress" beschreibt die natürliche körperliche Reaktion von Mensch
und Tier auf die verschiedensten Arten von Belastungen. Flucht und Kampf sind
die ursprünglichen Reaktionen, die zur Erhaltung der Art bestimmt sind. Noch
heute reagiert der Mensch auf Stress wie vor Tausenden von Jahren. Manchmal ist
er sogar lebenswichtig. Denn Stress führt zu einer Reihe von körperlichen
Reaktionen. So werden vermehrt Stress - Hormone Adrenalin und Cortisol
ausgeschüttet, die den Menschen in die Lage versetzen, eine körperliche Antwort
auf die Belastung zu finden: Das Herz schlägt schneller, die Atemfrequenz erhöht
sich. Gehirn und Lungen werden besser mit Blut und damit mit Sauerstoff
versorgt. Die Konzentration steigt. Stress ist also eine normale und natürliche
Reaktion. Es wird allerdings unterschieden, wie die Stressphänomene wirken. So
gibt es den sogenannten positiven Stress (Eustress), der anregt und einen
negativem Stress (Disstress), der überlastend erlebt wird. Doch bei
beiden Stresserlebnissen besteht die Gefahr, dass die Cortisolausschüttung
konstant auf einem zu hohem Niveau bleibt und es damit zu gesundheitlichen
Folgen für Körper und Seele kommt.
Stress macht krank – es ist nur eine Frage der Zeit!
Ob ein Mensch eine Situation als stressvoll erlebt, hängt zum großen Teil von
seiner individuellen Belastbarkeit ab und wie er die jeweilige Stresssituation
verarbeitet. Genauso individuell sind mögliche stressbedingte
Krankheitssymptome. Grundsätzlich gilt: geht das natürliche Gleichgewicht von
Anspannung und Entspannung durch permanenten Stress verloren, kann es zu
teilweise drastischen psychischen und körperlichen Beschwerden kommen. Typische
seelische
Stressreaktionen sind innere Anspannung, nervöse Unruhe, Gereiztheit,
Schlafstörungen und Erschöpfung bis hin zum sogenannten Burn-out. Nicht selten
treten Angstzustände (Panikattacken) und Depressionen auf. Häufige
körperliche Reaktionen
sind:
Spannungskopfschmerzen
Schwindel
Schweißausbrüche, nasse Hände
Störungen des Magen-Darmtraktes: u.a. Magenschleimhautentzündungen,
Magengeschwüre, ständige Durchfälle, entzündliche Darmerkrankungen (Morbus
Crohn, Colitis ulcerosa)
Muskelverspannungen bis hin zu chronischen Rückenbeschwerden
Herz-Kreislauferkrankungen: Bluthochdruck bis hin zum Herzinfarkt
Hauterkrankungen (z.B. Ekzeme)
Schwächung des Immunsystems (z.B. Herpes)
Wege aus der Stressfalle
Wer den Ursachen seiner chronischen Überforderung auf den Grund geht und es
schafft, Stress zu vermeiden, erhöht seine seelische und körperliche Gesundheit.
Voraussetzung ist allerdings, dass man sich auf eine Verhaltensänderungen
einlässt. Im Klinikum Essen-Mitte (und nicht nur dort) wird im Rahmen der
Inneren Medizin eine integrative Therapie durchgeführt, die Anleitungen gibt,
Stressreaktionen durch Verhaltensänderungen zu begegnen, die sogenannte
„Ordnungstherapie“. Darunter ist ein Gesundheitstraining zu verstehen, bei dem
die Betroffenen lernen, ihren Lebensstil sinnvoll zu verändern.
Die Ordnungstherapie
Basis dieses einzigartigen Stressmanagements ist eine wissenschaftlich fundierte
Therapieform, die seit über 20 Jahren an der Harvard University in den USA
praktiziert wird. Die Ordnungstherapie zielt auf eine aktive
Krankheitsbewältigung durch gesundheitsfördernde Lebensstilveränderungen. Dieses
Gesundheitstraining legt großen Wert auf die Vermittlung von Übungen für Körper
und Geist, die der Betroffene auch nach der Therapie sinnvoll in seinen Alltag
integrieren kann. So führen Gespräche mit geschulten Therapeuten zu einer
sogenannten kognitiven Umstrukturierung. Das heißt: Das eigene
Stressverhalten wird untersucht. Dabei werden Faktoren wie Lebensziele, Familie,
soziale Kontakten, Beruf und Leistungsansprüche überprüft und auf das
individuelle Stressverhalten übertragen. Die Betroffenen erlernen
Selbstüberwachungstechniken, mit denen sie ihre Stressoren frühzeitig erkennen
und im Alltag zukünftig besser begegnen können. Doch die kognitive
Umstrukturierung ist nur ein Teil der Ordnungstherapie. Folgende Elemente sind
integraler Bestandteil eines ganzheitlichen Selbsttherapie - Konzepts.
Die fünf Säulen der
Ordnungstherapie:
Bewegung – Atmung – Entspannung – Ernährung - Selbsthilfe
Bewegung: Ausreichende Bewegung ist für den Ausgleich
von Stress enorm wichtig. Das Stresshormon Adrenalin wird abgebaut, Herz und
Kreislauf werden angeregt und der ganze Körper wird durchblutet. Dadurch lösen
sich Verspannungen und die Sauerstoffversorgung des Gehirns wird verbessert.
Wesentlicher Bestandteil des Stressmanagements sind daher krankengymnastische
Techniken, Schulung der Körperwahrnehmung (Bodyscan) und andere Trainingsarten
wie z.B. Walken.
Atmung: Wer gestresst ist, atmet meist oberflächlich und zu
schnell. Der Pulsschlag erhöht sich und der Blutdruck steigt an. Durch gezielte
Atemübungen schafft es der Betroffene, sich zu entspannen und den negativen
Stress durch eine bewusst ruhige Atmung zu durchbrechen.
Entspannung: Auch andere Entspannungsübungen wie Meditation,
Hatha-Yoga, Qi Gong oder Autogenes Training spielen im
Stressbewältigungsprogramm eine wichtige Rolle. Hierbei ist es wichtig, dass
jeder seinen eigenen Weg zur Entspannung findet und sich dabei nicht durch
Leistungsmotive leiten lässt.
Ernährung: Eine gesunde Ernährung spielt natürlich auch in der
Stressverarbeitung eine wichtige Rolle. Hier gilt es in erster Linie zu
erkennen, dass Stress einen Einfluss auf Nahrungsgewohnheiten nimmt. Fast food
statt vitaminreiche Kost, Heißhungerattacken auf Süßigkeiten als Mittel der
Belohnung, Alkohol und Nikotin zu vermeintlichen Entspannung.
Selbsthilfe: Bei allen Therapiebestandteilen wird darauf
geachtet, dass der Betroffene das Erlernte später auch in seinen Alltag
integrieren kann. In diesem Sinne können alle Behandlungen als eine Anleitung
zur Selbsthilfe verstanden werden.
Auch Anwendungen aus dem Bereich der Hydrotherapie wie z.B. Güsse, Wickel und
Wassertreten sind wichtige „Selbsthilfe“-Optionen, die auf das vegetative
Nervensystem stimulierend wirken. Der Vorteil der Ordnungstherapie liegt in
seiner Umsetzbarkeit ins tägliche Leben. Körper – Geist – und Seele stehen in
einem unmittelbarem Zusammenhang und alle Reaktionen sind immer ein
Wechselspiel. Wer das „Ordnungsprinzip“ für sich früh genug einsetzt, wird
möglicherweise erst gar nicht krank!
Stand 2009
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